
Es wurde viel diskutiert über die Loveparade 2010 in Duisburg, deren dramatischer Ausgang am Ende 19 Menschen das Leben kostete. Dabei sollte die Loveparade Spaß und Freude an elektronischer Musik bringen, und eine riesengroßes Sommerfest werden. Es wurde die größte Schmach Duisburgs.
Nicht nur die Rundfunkanstalten berichteten in breit angelegten Sondersendungen über die dramatischen Ereignisse des jugendlichen Massenspektakels. Auch in sämtlichen Social Media Networks wie Twitter oder Facebooks schickten User im Sekundentakt neue Postings zu aktuellen Meldungen von der Unglücksstelle. Dabei bestachen viele Postings durch kaum verhohlene Sensationsgeilheit und Betroffenheitsheuchlerei.
Die Mehrzahl der Einträge handelten vom Unverständnis darüber, wie die Verantwortlichen mit 300.000 bis 400.000 Menschen rechnen konnte, von inoffizieller Seite aber etwa 1,4 Millionen Menschen angekündigt wurden. Die letzten Paraden haben gezeigt: die Millionengrenze wurde erwartet, erreicht und übertroffen. In solch einer Situation eine Million Menschen durch einen Tunnel zu quetschen entspricht etwa dem Versuch ein Kamel durch ein Nadelöhr zu fädeln. Es wird nicht klappen. Und so kam es leider auch.
Auf der Pressekonferenz am Sonntag in Duisburg dann das unvermeidliche: der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, teilte mit, dass zukünftig keine Loveparade mehr stattfinden wird. Die Pressekonferenz klang eher wie in einem Gerichtssaal, wobei die Journalisten die Ankläger darstellten. Wären der Stadt Duisburg nicht so eklatante Fehler unterlaufen, hätte einem Adolf Sauerland (CDU), der regierende Oberbürgermeister Duisburgs, fast schon Leid tun können.
Kein Mitleid, sondern nur ungläubiges Kopfschütteln ernten konnte die ehemaligen Tagesschau Sprecherin Eva Hermann, die mit einem Artikel im Internet für Empörung sorgte. Der Beitrag wurde kurze Zeit nach der Veröffentlichung von Ihrem Verlag wieder gelöscht. In dieser Zeit verbreitete sich der Text aber bereits auf zahlreichen Internetblogs, so das der Artikel im Laufe des Tages wieder online gestellt wurde. Wortwörtlich heisst es darin: "Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!"
Klassischer Fall von Sensationsgeilheit. Nicht der Inhalt ist entscheidend, sondern die Reaktion darauf. Good news? Bad news? Egal, hauptsache News. Das Schlimme daran ist: es ist ihr gelungen, eine Tragödie zu instrumentalisieren um Aufmerksamkeit zu erregen.
Zweiter Fall von Sensationsgeilheit: BILD veröffentlichte Fotos von abgedeckten Leichen und Nahaufnahmen von verletzten und erschöpften Opfern in einer Bilderstrecke. Die gestiegenden Userzahlen geben BILD Recht. Moralisch verwerflich, oder berechenbares Kalkül? Jeder darf sich – ganz im Sinne des Schmierblatts – seine Meinung selbst darüber bilden.
Im Vorfeld gab es hunderte Videos und Bilder auf dutzenden Blogs und sozialen Netzwerken. Ich frage mich, was moralisch verwerflicher ist: Derjenige, der solche Sachen bereitstellt, oder derjenige, der sich den Inhalt anschaut und ihn weiter verbreitet. Alles im Dienste des wohlwollenden Informationsbedürfnisses.
Auf der Autobahn bei einem Unfall als Schaulustiger rumzustehen und Rettungsmaßnahmen zu behindern kann als Straftat ausgelegt werden und wird gesellschaftlich geächtet. In sozialen Netzwerken solche sensationsgeilen Inhalte weiter zu verbreiten scheint als “cool” und “informativ” zu gelten.
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Da muss ich dir Recht geben - wobei dieser ausgeprägte Voyeurismus bei der BILD ja eine wirkliche Tradition besitzt.
B- und C-Promi heiraten? - Wir sind dabei!
Flugzeugabsturz? - Wir zeigen die verbrannten Leichen!
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Vergewaltigte Mädchen heulen sich die Augen aus dem Kopf - Wir helfen ihnen, indem wir sie als Schlagzeile benutzen!
Teilweise ist es so geschmacklos, das ich mich wundere, wie Menschen sein müssen, um so was zu lesen.
Dem Beitrag ist nichts hinzuzufügen... Traurig aber wahr - ich finde man sollte die Veranstalter bestrafen und nicht die Fans die vielleicht noch Party machen wollen - nächstes Jahr.
Ich werde niemals auf so einen Event gehen, aber die Raver können nichts dafür dass eine Elefantenrunde nicht sieht, dass ein Tunnel als einziger Zugang eine Schnapsidee ist... ... aber wen interessiert unsere Meinung? ^^ egal...