Geschrieben von janek in der Rubrik „Janeks Tagebuch”
Ich werde nach Neapel gehen. Ein Jahr lang dort studieren und ein Praktikum beim Deutschen Akademischen Austauschdienst machen. Im September geht es los. Es war immer mein Traum und ich konnte es kaum erwarten, angenommen zu werden. Ich freue mich eigentlich. Eigentlich. Denn so langsam schleicht sich ein Gefühl ein, mit dem ich am wenigsten gerechnet hätte: Angst.
Nach Neapel zu gehen war keine spontane Entscheidung. In Neapel zu leben kann keine spontane Entscheidung sein. Die Stadt ist laut, dreckig und im Sommer ein Schmelztiegel. Entweder man liebt diese Stadt, oder man hasst sie. Ich war zweimal dort und meine sie zu lieben. Ich glaube dass mich diese Stadt mit der Extrovertiertheit ihrer Menschen auf ein normales Level bringt, weg von meiner immer noch zu häufig dominierenden Verschlossenheit. Ich glaube, dass mich das Chaos aufatmen lässt und ich die Sonne und die Hitze genießen werde. Ich glaube….
Es ist seltsam, ich habe nicht wirklich Angst davor, dass mich der Vesuv, der schon längst überfällig ist, unter sich begraben wird. Ich habe auch keine Angst davor bei einem Bandenkrieg „zufällig“ erschossen zu werden, genauso wenig wie ich mich fürchte Cholera zu bekommen von dem sich noch immer türmenden Müll. Das gehört zu Neapel, genauso wie es dazugehört, den Jungs, die ein Viertel bewachen, 5 bis 10 Euro zu bezahlen, falls sie dich mal nachts allein erwischen und du kein Interesse daran hast, verprügelt zu werden. Aber ich habe Angst davor ein Jahr weg zu sein. Ich habe Angst vor der Ungewissheit. Und ich habe Angst davor, dass ich diese Stadt wenn ich zurückkehre nicht mehr lieben werde.
Alle mit denen ich bisher über Neapel gesprochen habe reagierten auf die Tatsache, dass ich ein Jahr lang gehen werde, ungefähr gleich: „Oh; ein ganzes Jahr?! Bist du dir sicher? Naja ich könnte das jedenfalls nicht.“. Langsam frage ich mich, ob ich es kann. Ob es meine Beziehung verkraftet. Ich fürchte mich davor, dass sich hier alles weiterentwickelt und ich fremd bin, wenn ich zurückkomme. Ich fürchte mich davor vergessen zu werden.