Geschrieben von Alex in der Rubrik „Tagebuch von Alex”
Es ist schon komisch, worüber ich mich freuen kann. Einerseits wurde ich bei einem Studium angenommen, hab einen guten Job, coole Kollegen und wirklich gute Freunde. Andererseits hatte ich heute einen Tag voller Unlust. Einen richtigen Null-Bock-Tag. Ich hatte eine Nacht mit zwei Horrorfilmen, einen Morgen mit einem krassen realistischen Traum und einen Tag mit wenig Kollegen. Irgendwie war alles ruhig. Keiner war da. Selbst das Parkhaus war leer. Anscheinend ist Ferienanfang, aber wen interessierts.
Ich hab seit langer Zeit wieder Musik gehört, und zwar unterwegs. Und ein Lied hat mich fast zum Weinen gebracht. “You don’t fool me von Queen”. Ich verstehe gar nicht, worum es geht. Ich versuche auch nicht den englischen Text aufzulösen. Ich höre einfach auf die Melodie und dieses eine schnelle Gitarrensolo. Ich kriege dabei eine Gänsehaut und möchte die Musik lauter und lauter drehen. Es soll mir die Ohren wegdröhnen und jedes kleine Geräusch von außen eliminieren.
Ich möchte Teil dieses Liedes sein und sehe mich dabei in der Glasscheibe. Ich sehe ein Gesicht, das dünner geworden ist. Der Mund ist irgendwie breiter als der Kopf. ‘Kein gutes Zeichen’, denke ich. Und dann ist dieses traurige Gesicht, das ich schon solange nicht gesehen hab; starr und gelangweilt, für jemanden anderen vielleicht tiefisinnig.
Und die ganze Zeit denke ich daran, wie tief mich dieses Lied berührt. Ich möchte am liebsten weinen, aber aus Freude. Wieder fehlt mir die Melancholie, die ich mir gerade erhofft hatte. Andere sind traurig und wünschen sich Glück (so war ich doch auch) und ich wünsche mir Traurigkeit, obwohl ich zufrieden bin.
Ich bin nicht einmal müde. Ich will die Augen schließen, nachdem ich das dritte Buch in diesem Jahr beendet habe. Aber ich will gar nicht. Ich bin wach, voller Energie und trotzdem lustlos. Wahrscheinlich hasse ich es, abhängig von anderen zu sein, die sich keine Mühe geben. Genau das hatte ich heute. Ich möchte etwas schaffen, Kollegen von mir auch, aber dann sind andere die einem praktisch eine Mauer aufbauen. Dagegen anzukämpfen bedeutet nur mit Fäusten dagegen zu schlagen. Sie enden blutig.