Geschrieben von janek in der Rubrik „Janeks Tagebuch”
Ich glaube das Schreiben hat mich behindert gemacht. Seit meiner Pubertät schreibe ich. Ich schreibe Gedichte, Geschichten, Berichte, Tagebuch. Aber rede ich eigentlich?
Klar rede ich, ich rede mit Freunden, Bekannten, Verwandten. Doch ich bin schüchtern. Das war ich schon immer. Wenn ich jemanden neu kennenlerne bin ich still. Ich höre zu und beobachte. Ich checke die Lage ab, wie man so schön sagt und erst wenn ich mich gut fühle weichen meine Kiefermuskeln auf und mein Mund beginnt sich zu bewegen. Dann kann ich auch locker sein, Scherze machen und Leute unterhalten. Wer mich besser kennt sagt dann immer stille Wässer seien tief und schlammig, aber ich muss mich einfach gut fühlen in einer Situation, mit anderen Menschen, um aufzutauen.
Neulich hatten wir Spieleabend und ein Mitbewohner aus dem Wohnheim hat die ganze Gruppe unterhalten. Er war einfach natürlich und lustig und vor allem: Er hat die ganze Zeit gequasselt. Das würde ich auch gerne können. Wenn ich schreibe erscheine ich vielleicht eloquent, wenn ich aber rede erscheine ich einfach nur langweilig.
Ich denke eigentlich nur darüber nach, weil ich vor zwei Wochen mündliche Prüfung hatte. Ich saß 30 Minuten in dem Raum vor meinen beiden Prüfern und habe mich so geschämt wie schon lange nicht mehr. Sicher, ich hatte gelernt und mich vorbereitet, aber ich konnte einfach nicht antworten, beziehungswiese nicht das sagen, was die beiden hören wollten. Bei der Auswertung sagte man mir dann, sie hätten das Gefühl gehabt ich wäre völlig unvorbereitet gekommen und erschien im Seminar intelligenter. Ich glaube in derselben Prüfung wäre ich schriftlich zwei Noten besser gewesen.