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MissverstÀndnisse

Geschrieben von janek in der Rubrik „Janeks Tagebuch

Hör auf mit deinen Mitmenschen zu sprechen, es bringt im Großen und Ganzen ohnehin nichts!

In seinem StĂŒck „Sei personaggi in cerca d’autore“ (Sechs Personen suchen einen Autor) hat der italienische Autor Luigi Pirandello gezeigt, dass menschliche Kommunikation eigentlich unmöglich ist. Nun möchte ich dich nicht mit der Dramentheorie Pirandellos langweilen, nur kurz erzĂ€hlen, wie er das tat und wie man das im Alltag beobachten kann.

Die sechs Figuren im StĂŒck wurden von einem Autor bis ins kleinste Detail erdacht, konnten ihre Geschichte jedoch noch nicht auf einer BĂŒhne darstellen. Nun suchen sie einen Regisseur, der sie auf die BĂŒhne lĂ€sst. Das ganze droht zu scheitern, da dieser nicht begreifen kann, dass er vor sich keine Schauspieler hat, die eine Rolle spielen, sondern Dramenfiguren, deren Verhalten schon feststeht. Der Regisseur nĂ€mlich, will die Geschichte immer seiner Idealvorstellung anpassen. Pirandello kritisierte damit das Theater, da Regisseure und Intendanten ein StĂŒck nie so auf die BĂŒhne bringen können, wie der Autor es sich gedacht hat.

Etwas verallgemeinert heißt das: Wenn wir etwas sagen oder tun, knĂŒpfen wir an Vorwissen oder GefĂŒhle an, bzw. denken an Momente aus unserem Leben. DarĂŒber hinaus sind wir auch durch unsere Lebensweise und Kultur geprĂ€gt. Nun sagen wir also etwas und fĂŒr uns ist klar, wie es zu interpretieren ist – das GegenĂŒber jedoch verknĂŒpft es mit all diesen Faktoren, jedoch aus seiner Perspektive und kommt so zu einer völlig anderen Interpretation, da er versucht, es in seine Welt(sicht) einzupassen. Es kommt zu einem MissverstĂ€ndnis und die Kommunikation droht zu scheitern.

Warum erzĂ€hle ich das alles? Weil man es wunderbar im Alltag beobachten kann. Ich habe auf einer Party gearbeitet und als mein Freund kam, stellte ich ihn meiner Kollegin als meinen Freund vor, was im Deutschen durchaus in die Richtig Partnerschaft zeigt. Kurz darauf fragte sie, ob mein Kumpel etwas trinken wolle. In ihrer Welt ist HomosexualitĂ€t nicht so prĂ€sent wie in meiner, also hat sie meine Worte vielleicht als eigenartige Alternative fĂŒr „ein Freund“ interpretiert, nicht aber so, wie sie gemeint waren.

Ein anderes Beispiel: Ich lief gestern mit einigen Kommilitonen nach Hause und verabschiedete mich frĂŒhzeitig, da ich zu einem Freund ging. Als ich etwas entfernt war hörte ich, wie gefragt wurde, wohin ich gehe. Einer sagte „zu seiner Freundin“. In seiner Welt scheint es also ĂŒblich zu sein, am Samstagabend zur Freundin zu gehen, sodass es fĂŒr ihn klar war, dass auch ich das tue.

Es ist wirklich spannend wie die Menschen aneinander vorbeireden und wenn man ein bisschen mit offenen Ohren und Augen durch die Welt geht, kann man viele interessante Dinge erleben. Manche Leute sind so auf sich bezogen, dass es dir stÀndig so gehen wird, andere sind sehr aufmerksam, bei ihnen wirst du es weniger mitbekommen. Aber einen Versuch ist es allemal wert!

Ich jedenfalls werde mir einen Spaß draus machen und jedem etwas anderes erzĂ€hlen, da ich sowieso missverstanden werde. Vielleicht kommt ja dann am Ende bei allen das an, was ich tatsĂ€chlich sagen wollte.


Icon fürs Schreibdatum Sonntag, 24. 2. 2008
 

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