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Eine bohrende Frage

Geschrieben von Julian in der Rubrik „Weitblick, Meinung

Berlin Kreuzberg, später Nachmittag. Überfüllter Bus heimwärts. Ich sitze am Fenster, neben einer Türkin. In der Reihe vor ihr sitzen ihre Kinder; Die Kinder hören türkische Musik aus den Lautsprechern ihrer Handys. Alle beide. Verschiedene Lieder, natürlich. Der Junge, der am Fenster sitzt, trommelt dazu im Takt gegen die Scheibe. Vater und Mutter unterhalten sich auf türkisch. Ich höre dies alles durch meine Kopfhörer und denke mir: „Können die nicht aufhören mit diesem arabischen Mist und Deutsch reden?“

Bremen, Samstag mittag. Ein Mann mit Hakennase sitzt auf einer Parkbank und raucht. Ich sehe ihn im Vorbeigehen und denke. „Oh, schau an, ein Jude!“

Köln, Samstagabend. Schwulenparty. Tanzende Menschen zu Technobeats. Ich stehe am Tresen und betrachte die Menge. Es ist ziemlich voll, die Menschen müssen sich aneinander vorbeidrängeln Im Zentrum der Tanzfläche auf einem Podest, fällt mir ein Junge auf, der auffallend tanzt. Er trägt ein Glitzershirt und eine Hüfthose. „Blöde Tunte!“, denke ich.

Hamburg, Dienstag Nachmittag. Bushaltestelle. Ein Rollstuhlfahrer will in den Bus hinein. Nach einem kurzen Reflex, ihm helfen zu wollen, schaue ich interessiert dabei zu, wie er mühsam die ausgefahrene Rampe hinauffährt. Nachdem ich eingestiegen bin, schaue ich ihn verstohlen mit einer Mischung aus Interesse und Mitleid an.

Köln, U-Bahn. Zwei freie Plätz in der ansonsten voll besetzten Bahn. Ich habe die Wahl zwischen einem Platz neben einem Farbigen oder einer gut gekleideten Geschäftsfrau. Nach kurzem Zögern setze ich mich neben den Schwarzen – und muss mich in der Folge krampfhaft bemühen, ihm nicht auf die hellen Handinnenflächen zu starren.

Hamburg, Samstag abend. Ich flirte mit einem Typen. In einer Bar. Wir lernen uns kennen, finden uns geil, wollen Sex - miteinander. Er sagt: “Eines solltest du wissen, ich habe HIV.” Ich gehe allein nach Hause.

Bonn, Altstadt. Vor der Moschee sammelt sich eine Gruppe bärtiger Männer und unterhalten sich lautstark auf arabisch. Die Frauen stehen tief verschleiert etwas abseits und sagen nichts. Ich wechsele die Straßenseite, weil mir dieses Bild Unwohlsein bereitet. Außerdem finde ich, Frauen sollten keinen Schleier tragen.

Berlin, Oranienburger Straße. Touristengegend und Straßenstrich in einem. Eine junge Frau mit leicht russischem Akzent spricht mich an und will, dass ich kurz stehen bleibe, weil sie Feuer braucht. „Ist eh ne Nutte!“, denke ich. Und gehe weiter.

Bin ich ein diskriminierender, intoleranter, antisemitischer Rassist?

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Icon fürs Schreibdatum Donnerstag, 2. 11. 2006
 

bisherige Kommentare:

Ben schrieb am Donnerstag, dem 2. 11. 2006:

Das “innere Rostock” hat dich eingeholt!
Jetzt aber schnell - bring es zurück in die Klatschpresse von 1992!

Ein Rassist ist außerdem immer diskriminierend und intolerant und oft auch antisemitisch; nerven können allerdings alle Menschen - egal ob schwarz, behindert, verschleiert, schwul, jung oder weiblich.

Volker schrieb am Donnerstag, dem 2. 11. 2006:

Ich denke nicht das Du ein Rassist bist Deine “innere” Gefühlswelt wird durch Dein Unterbewusstsein gesteuert.
Es ist viel eher die Angst vor dem Fremden Der Gedanke “was ist wenn das jetzt alles millitante Moslems sind?” ist bestimmt jedem schon einmal gekommen, aber denkst Du das auch bei dem Türken an der Ecke, bei dem Du Deinen Döner kaufst?

Maxima schrieb am Donnerstag, dem 2. 11. 2006:

Du bist ein Mensch und reagierst menschlich. Du bist kein Nazi, kein Rassist, kein menschliches Arschloch. Wir alle haben innere Reflexe und können diese nicht so einfach unterdrücken.
Und wenn drei fette bayern am Wurststand sich auf bayrisch unterhalten oder 10 jährige deutsche Kiddies sich im Bus die Dr. Sommer Seite laut vorlesen, kriege ich auch das Kotzen. Und das sind ja “gesunde Deutsche”

Michael schrieb am Sonntag, dem 12. 11. 2006:

Tja. Schon mal in NewYork gewesen ? Bläst einem das Hirn frei. In Hinsicht auf Völkervielfalt; kaum ein Land, das in dieser Stadt nicht vertreten ist. Rassismus war mir immer unverständlich, seit meinen Aufenthalten in den Staaten erscheint Rassismus widerlich. Im Übrigen kann ich nicht verstehen, dass in unserem freien Land Anhänger rechten Gedankengutes unterwegs sind. Die Gründe sind klar, doch wie bescheuert muss ich sein, meine Freiheit aufgeben zu wollen, um gleichgeschaltet leben zu wollen ?
Die geschilderten Situationen sind mir nicht fremd, doch einmal mehr lächeln und sich anderen zu öffnen, erschliesst neue Horizonte.

laura schrieb am Sonntag, dem 26. 11. 2006:

Wie kann man so schlecht über andere Menschen schreiben? Kann mir das mal bitte wer erklären? Was hast der Verfasser bitte gegen Schwarze, Türken, Juden und welche die aus anderen Ländern kommen? “Andere Länder” heißt nicht “andere Sitten”.
Übrigens: Was hast du als Homosexueller gegen uns Transvestiten? Wieso Bezeichnest du solche Menschen mit abwertenden Wörtern wie “Tunte”? Bist ja auch nicht, nur dass du keinen Glitzer und Lidschatten magst… ;)

Sephiroth schrieb am Mittwoch, dem 10. 1. 2007:

Die Frage ist ob Du Dir damit gefällst?

Und Das ist Rassistisch, was Du denkst.
Gerade diese Kleinigkeiten sind es die in vielen “normalen Deutschen” sind.
Aber wie gesagt die Gedanken sind frei… .
Und Dummheit des Menschen ist unendlich,
wie Einstein mal sagte.

Nur vielleicht solltest Du deine Verallgemeinerungen für Dich behalten.

Mfg

Nils schrieb am Donnerstag, dem 15. 11. 2007:

Ich habe auch probleme mit der Welt der Arbabischen Immigranten in Deutschland. Die Jugendlichen mit ihren lauten Handys, mit viel zu lauter Musik, ihre Intolleranz gegenüber, homosxuellen, frauen…, ihr verlangen nach tolleranz aber wenn wir eine Krische in der Türkei bauen wird sie niedergebrand… Teils Facken, aber Teils steigert sich jeder hinein. Jeder Mensch ist ein wenig rassistisch, und wenn mir jemand EINEN Menschen zeigt der es nicht ist. Der hat einen Nobelpreiss verdient. Aber das mit Harkennase, finde ich etwas hart. Ich war in Auschwitz, deshalb wil ich an sowas garnicht denken. Und wenn ich sowas dneken würde, würde ich es mir NIE verzeihen. Geh mal in ein KZ, nimm an einem Trauerzug teil. Dann kommt dir die Welt ein bisschen näher. Grade wir, hier, als Homosexuelle, sollten solche Gedanken nicht haben, oder wir können garnicht erst tolleranz verlangen.

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