Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch”
Ich bin wütend. Auf eine unbestimmte, allgegenwärtige und unausweichliche Art wütend. Ich kann nicht einmal erklären, auf wen oder was ich genau wütend bin. Ich weiß nur, dass mein Schädel zu platzen droht, vor lauter Fragen, Vorwürfen und Anklagen.
Egal was passiert, mein Kopf ist voll von Wut. Wut auf Menschen, die meine Nachrichten nicht beantworten. Wut auf Menschen, die Versprechen nicht einhalten, auf Menschen, die wissentlich mehr von mir erwarten, als ich halten kann. Einfach nur Wut.
Dann wäre da noch der Junge, in den ich mich zu verlieben begonnen hatte. Und der mir sagte, dass er ähnliche Gefühle für mich hege. Mit dem ich eine wundervolle Zeit in Berlin verbrachte und von dem ich viel über die Stadt und mich selbst gelernt habe. Das ist alles vorbei. Wenn ich aus dieser Zeit eines mitgenommen habe, dann, dass nichts so flüchtig ist, wie die Liebe oder vergleichbare Gefühle. Denn kaum, dass die Umstände anders, ich bin geneigt zu sagen: schwierig, wurden, verschwand der Mann in die Ferne, aus der er gekommen war. Und sprach knappe 14 Tage danach schon wieder von Liebe – allerdings nicht mit mir, sondern mit einem anderen Mann, den er gerade vorher kennen gelernt hatte.
Da war mal wieder eine der Fragen, die mir in meinem Leben immer wieder begegnet: Wie können Menschen sich anmaßen, in so schneller Folge von ein und demselben, intensiven Gefühl zu reden? Von Liebe! Wie können Menschen so flüchtig lieben?
Ich möchte nicht selbstgerecht erscheinen. Ich habe sicher nicht alles im Leben richtig gemacht – so sicher auch nicht in diesem Fall. Und ich wäre bei jeder Analyse der Problematik zweifelsohne selbstgerecht. Daher möchte ich darauf verzichten. Trotzdem bohren Fragen in mir. Und ich weiß, dass ich die Suche nach Antworten als nicht sonderlich selbstgerecht empfinde.
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bisherige Kommentare:
Sven schrieb am Montag, dem 30. 10. 2006:
Wie können Menschen so flüchtig lieben..lieben…lieben? Verdammt, eine Frage die mich seit 3 Jahren quält: Was ist Liebe? Ich kann es bis heute nicht beantworten. Vermutlich kann ich das nicht beantworten weil ich zu viele antworten habe! ich liebe so viel(…viel zu viel…)meine freunde…meine familie…guten espresso…achterbahn fahren…über gott und die welt zu diskutieren…london..tausend dinge liebe ich, und doch sind sie alle nicht das, was man unter liebe versteht, oder? bei einem guten freund im arm zu liegen vermittelt mir ein gefühl - liebe - [hormonausschüttungen, nervenverbindungen glühen usw] aber was soll ich empfinden wenn ich DIE liebe finde…ich weiss es nicht. die liebe ist für mich das größte rätsel…vorallem weil sie so schmerzerfüllt ist. ja, sie macht wütend
Max schrieb am Montag, dem 30. 10. 2006:
Hey Julian.
Bitte sei nicht wütend auf mich, weil unser Kontakt in letzter Zeit eher sporadisch war. *schäm*
Ich finde, man kann es verurteilen oder es lassen. Menschen sind halt so, dass sie meist aus Eigennutz anderen Menschen Dinge vorspielen um sich selbst alle Optionen offen zu halten. Ich finde, die Liebe an sich ist nicht flüchtig, sondern der Begriff wird nur von vielen Menschen für etwas verwendet, das keine Liebe ist.
Lieben Gruß aus der Metropolregion Rhein-Neckar
Stefan schrieb am Montag, dem 30. 10. 2006:
Julian, Wut hält nicht ewig.
Ich habe mir oft gewünscht, dass sie das tut, weil ich so aufgebracht war, dass ich auf die Person ewig wütend sein wollte. Aber es hat nicht geklappt.
Die Fragen bleiben. Manchmal finde ich es besser, nach den Antworten zu suchen, wenn die erste Wut verraucht ist, weil die Antworten dann besser sind. Ein andermal brannten die Fragen so sehr, dass eine erste Antwort sofort gefunden werden musste, weil ich sonst innerlich verbrannte.
Ich kann dir nicht pauschal raten, was für dich richtig ist. Das maße ich mir nicht an. Dafür kenne ich dich leider nicht gut genug.
Dennoch, versuch mit deiner Wut nicht allein zu sein. Du hast jemanden, der dir zuhört und da ist. Das hilft auch bei Wut.