Geschrieben von Alex in der Rubrik „Tagebuch von Alex”
Ich bin heute für fünf Minuten aus der Wohnung gegangen, um viele Plastikflaschen im Büdchen abzugeben und drei Bier zu holen. Dabei war auch das Paderborner Pilsener. Es sah billig aus und schmeckte so, aber immerhin hab ich das Bier der Sieger getrunken. Denn Paderborn hat gegen Köln im Fußball gewonnen. Und letztes Jahr hatte man noch über mich gelacht, als Paderborn über meinen Lieblingsverein Hansa Rostock gesiegt hatte. So schnell ändern sich Dinge.
Mein Alter zum Beispiel. Ich bin 26, seit über zwei Tagen und ich weiß es, aber glaube es immer noch nicht. Es gab einige Gratulationen, einige Witze, einige SMS, einige MMS, wenige Karte und ein paar Anrufe. Der Tag verlief schlimmer als ich dachte, weil ich im Ausland sein wollte. Ich wollte nicht in Deutschland sein, wo man mich erreichen konnte, wo man so tun konnte als ob mein Geburtstag was wichtiges wäre. Ich wollte woanders für mich allein sein. Letztlich war ich zu faul, zu unspontan und zu geizig um einfach in eine andere europäische Metropole zu fliegen. Stattdessen musste ich per Chat erfahren wie ein Bekannter sich in den Bulli von seiner Vater setzte und Süddeutschland in wenigen Tagen erkundete. Allein.
Ich hab ihn mehr als beneidet. Denn er hatte etwas gemacht, was ich auch gerne gemacht hätte. Letztlich war er wirklich allein und nicht mal bei mir, obwohl Köln nah an seiner Heimat lag. Aber was stört mich das eigentlich?
Heute habe ich das erste Mal wieder den Herbst gerochen. Dabei habe ich mir kurz gefragt, ob man sowas wirklich riechen kann. Vielleicht hatte ich mir das nur eingebildet, weil es kühl war, die gelben Blätter auf der Straße lagen und der Asphalt nass war.
Ich suchte nur nach Ablenkung. Dieser Abend war eine Katastrophe. Zig Leute wollten mit mir aufs Gayhappening in Düsseldorf. Ich wollte dann erst recht nicht. Muss ich dahin, wenn ich schon weiß, dass ich mich nicht amüsieren werde? Ich hatte das Gefühl Köln war an dem heutigen tage unschwuler als sonst, weil alle in dem verhassten Düsseldorf waren. Und sonst? Ich vermisse meine Freunde, die nicht in Deutschland sind. Die nicht in Köln sind. Ich vermisse sie. Ich will mit ihnen reden, ihnen in die Augen sehen, mit ihnen lachen, ja sogar ihren Sorgen lauschen.
Ich will aber nicht allein zuhause sitzen und Paderborner Pilsener mit Budweiser mischen. Und dabei die teuerste und beste Schokolade der Welt in kleinen Täfelchen essen. Wie ein Freund schon sagte: “Du hast Lagerkoller.” Ich musste schmunzeln, aber er hatte so recht.
Ich kann allein sein. Ich muss allein. Aber ich darf nicht allein sein. Zumindest die meiste Zeit.
bisherige Kommentare:
Steven schrieb am Dienstag, dem 3. 10. 2006:
Alex, komm einfach vorbei.
Chris schrieb am Mittwoch, dem 4. 10. 2006:
Verrate uns was die beste Schokolade der Welt ist, bitte!
Gruß und mach weiter so