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Jeder Tropfen Freiheit

Geschrieben von Alex in der Rubrik „Tagebuch von Alex

Tropfen FreiheitIch kam später zur Arbeit und ginger früher als sonst. Ich hatte das Gefühl nichts geschafft zu haben und habe trotzdem meine Spuren hinterlassen. Ich frage mich mittlerweile jeden Tag was ich geleistet habe, ob ich mein Geld wert war und ich bald weiter machen dürfte oder nicht. Selbstständigkeit klingt so lukrativ und bedeutet soviel Selbstbeherrschung. Ich bin müde, bin ausgebrannt und brauche Urlaub. Ich schlafe mich mindestens 16 Stunden pro Tag am Wochenende aus, um die 5 Arbeitstage in der Woche fit zu sein. Um der Mensch zu sein, der pro Stunde berechnen kann und gleichzeitig der perfekte Kollege ist: freundlich, kompromissbereit, fleißig, kritisch, frisch. Ich liebe meine Arbeit und bin froh vor Sonnenuntergang wieder in der Stadt zu sein, in der ich lebe. Ob in der Straßenbahn, im Bus oder im Zug, ich schlafe. Wie ein Delfin habe ich ein Auge auf und das andere geschlossen und versuche nicht die Station zu verpassen, bei der ich aussteigen muss.

Und ein Freund fragte mich heute, ob wir Kaffee trinken gehen. Ja, habe ich gesagt. Ich habe nicht lange überlegt. Ich bin einfach da gewesen. OK, es endete nicht mit einem Kaffee, sondern in drei Gläsern Rheinhessen Wein. Aber die Zeit verging und mir war es egal. Und dann als es dunkel war und ich doch die Zeit wahrgenommen hatte an der Werbeuhr, ging ich nach Hause. Ich konnte fahren, aber ich wollte gehen. Ich kaufte mir am Büdchen ein Bier und lief durch die Straßen. Es fing an zu regnen und ich genoss jeden Tropfen auf meinen Haaren und Kleidern. Ich wollte klitschnass ankommen. Ich wollte nach saurem Frühlingsregen im Herbst riechen und die Freiheit atmen, die sich in diesem Duft befand.

Und in ein paar Stunden beginnt wieder die Arbeit. Und ich freue mich darauf. Denn danach könnte es wieder regnen.


Icon fürs Schreibdatum Dienstag, 19. 9. 2006
 

bisherige Kommentare:

Christian schrieb am Dienstag, dem 19. 9. 2006:

Das ist sehr schön zu lesen.

Danke dafür..

Steven schrieb am Mittwoch, dem 20. 9. 2006:

Alex, mein kleiner Worcaholic: Arbeite nicht zu viel und geniess das Leben mehr. Aber du arbeitest ja auch gerne. Ein Teufelskreis. ;-) *grins*

Aber das ist ja das Schöne an Sachen die einem Spaß machen. Die Zeit vergeht im Flug. Sieh nur zur dass Du mit 30 dann nicht schon alt und verbraucht bist.

Deine biologische Uhr tickt. *g*

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