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Passiv

Geschrieben von janek in der Rubrik „Janeks Tagebuch

Ich sitze hier rum und warte. Ich weiß nicht genau worauf, ich weiß nicht seit wann ich schon warte und ich weiß auch nicht, wie lange es noch dauern wird. Ich bin antriebslos geworden. Passiv taumle ich von Tag zu Tag und schaffe es nicht, mich aufzuraffen und mir Ziele zu setzen, die Anstrengung erfordern. In meinem Leben lief bisher alles ziemlich gut, ohne dass ich viel dafür tun musste. Faul war ich nie, aber eben auch nicht der perfekte Mensch, der täglich alles sauber hält, Vokabeln lernt, Zeit für seine Freunde hat und drei Mahlzeiten zu festen Zeiten einnimmt. Ich schlafe zu wenig, vergesse zu viel und weiß nicht was ich will.

Vielleicht habe ich auch Angst vor dem, was auf mich zukommt. Immer wieder wird von der “Generation Praktikum” gesprochen, die keine Festanstellung findet und sich von Nebenjob zu Nebenjob hangelt - immer nur befristet eingestellt. Vielleicht wird mir Angst gemacht. Vielleicht lasse ich mir Angst machen. Eigentlich möchte ich weggehen, ins Ausland und alles hinter mir lassen was hier um mich liegt und angepackt werden müsste. Einfach in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abhauen. Doch das wäre ziemlich feige. Bin ich feige? In letzter Zeit denke ich schon, dass ich feige bin. Ich gehe Menschen aus dem Weg, Problemen und Konfrontationen.

Doch vielleicht wird es besser. Ich ziehe diese Woche um - vom Land in die Stadt - und ich werde sogar eine Einzugsparty schmeißen, was eigentlich alles andere als mein Ding ist, aber irgendwie wird es von mir erwartet. Vielleicht lerne ich so neue Leute kennen. Mit dem Sport fange ich auch wieder an und im nächsten Semester werde ich viel lernen und alles sauber halten. Und trotz der vielen Arbeit werde ich immer freundlich, fröhlich und ausgelassen sein und auf vielen Partys immer ein offenes Ohr für meine Freunde haben. Auch werde ich an alles denken und nichts mehr vergessen. Aber will ich das überhaupt? Will ich perfekt sein, weil es von mir erwartet wird? Die Frage wer ich bin lässt sich nicht lösen, indem ich mir eine Maske aufsetzte. Vielleicht bin ich einfach chaotisch, vergesslich, feige und verplant. Vielleicht mag ich das sogar. Vielleicht mag ich mich sogar.


Icon fürs Schreibdatum Dienstag, 8. 8. 2006
 

bisherige Kommentare:

Maxima van den Kampen schrieb am Dienstag, dem 8. 8. 2006:

Genau das ist auch meine Frage und ich denke täglich:” Warum läufst du nicht weg, warum gehst du nicht..und dann denke ich mir: dein Englisch ist okay, aber sonst müsstest du ne neue Sprache lernen, denn du musst ja auch arbeiten und Geld verdienen. Und dann denke ich: wenn du im Lotto gewinnst oder bei RTL Punkt 12 das Telefongewinnspiel oder so, dann hast du genug Geld und gehst weg.
Nur leider wird das nicht passieren und ich möchte mein Leben auch nicht verwarten. Also tue ich wenigstens etwas, ich arbeite, mache Sport und zwinge mich mit Leuten nen Kaffee trinken zu gehen. Ich bin neulich mit ner Kollegin zum Shadowdance obwohl ich von der Hello - Kitty Fraktion bin.
Aber das ist immer noch besser, als nichts zu tun. So kann ich mir später wenigstens nicht vorwerfen, ich habe meine Zeit durch nichts tun verschwendet - vielleicht denke ich mir, wenn ich weiß, was ich will - ich habe meine Zeit mit Unwichtigem verschwendet, aber nicht mit Nichtstun.
Ich will mir ein einsames Landhaus irgendwo am adw kaufen ( Island, Finnland) vielleicht eine Finka/ Villa im Süden, ich will nach Kolumbien zu meiner Tante, einen Großgrundbesitzer heiraten und den ganzen Tag reiten. Ich will nach Australien, ein Haus am Strand und tauchen.
Aber ich will mich nicht anstrengen. Ich will keine Fehler machen, habe Angst vor Enttäuschungen , mein Lebenin einen Graben zu schiffen, aus dem ich nicht mehr rauskomme und als Alkoholiker zu enden und ich fühle, ich habe in meinen jungen Jahren schon zu viel gelitten und gearbeitet - ich verdiene jetzt Ruhe. Vielleicht ein englisches Landhaus in Cornwall?. Ich will nur Ruhe.

Ruhe, Sicherheit, Glück.

Aber ich werden nie gewinnen, nie reich heiraten - ich muss in den sauren Apfel beißen - Arbeit, Enttäuschung, Anstregung, keine Ruhe.
Ob ich jemals glücklich werde?

Das weiß ich erst, wenn ich sterbe.

Sascha schrieb am Mittwoch, dem 9. 8. 2006:

Nun ich kenne das Gefuehl sehr gut und den Faktor ins Ausland gehen habe ich in die realitaet umgesetzt.
Tja meine feststellung nach knapp zwei Jahren. Es ist nicht wirklich wichtig wo man ist, letztlich ist es alles gleich auch wenn es zu beginn so unterschiedlich wirkt.
Dieses Gefuehl von dem du sprichts meine ich fuer mich mit dem Wort “gesetzt” sein am besten zu umschreiben jedenfalls ist es bei mir so jedesmal. Es liegt an dir etwas zu aendern und den “Arsch” hoch zu kriegen. Es ist zwar schoen wenn man jemanden hat der einem dabei hilft aber viel mehr ist es nicht. Der Impuls muss von dir kommen.

In dem zusammenhang hat mir mal ein Buddistischer Moench etwas nettes gesagt: Egal wie du dich am Abend fuehlst am naechsten Morgen wird die Sonne aufgehen.

Es steckt sehr viel wahrheit in diesem Spruch.

Mein Tip: Erforsche was du persoenlich, ohne einfluss von aussen, erwartest von deinem Leben. Du wirst die Antwort sicher nicht beim ersten mal finden aber eine Idee. und wenn du dann sicher bist was die Antwort ist setz alles dran sie zu verwirklichen. Es gibt nichts schlimmeres als eines Tages aufzuwachen und dich zu fragen wieso habe ich das nicht getan. Egal wie verrueckt es einem in dem Moment vieleicht erscheinen mag. Tief innerlich weiss man fast immer was gut fuer einen ist nur haben wir meist leider verlernt auf diese Stimme zu hoeren.

So long
Sascha

stefan schrieb am Mittwoch, dem 9. 8. 2006:

Ich versuche seit Jahren das zu tun, was ich für mich für richtig halte. Das, was mir wichtig ist. Mal gelingt es mir mehr, mal weniger. Aber wenn es mir mal wieder gelingt, freue ich mich drüber. Und es nicht so selten, dass es gelingt.

Meine Eltern hätten gern, dass ich promoviere. Dem widersetze ich mich schon lange, weil ich weiß, dass ich keinen Spaß dran habe. Mir ist ein Doktortitel nicht wichtig. Partys habe ich schon lange keine mehr gegeben. Mittlerweile erwartet das sogar niemand mehr von mir.

Manchmal mache ich aber auch Dinge, die andere von mir erwarten. Oft mache ich das aber nicht, weil das die anderen erwarten, sondern weil ich für mich ganz bewusst deren Erwartungen erfüllen möchte. Oder weil meine eigenen Wünsche mit deren Erwartungen übereinstimmen.

Und dennoch finde ich es schwer im Lärm des Alltags die innere Stimme zu hören.

Dieses Jahr habe ich mir eine Dauerkarte für einen Freizeitpark gekauft. Ich wollte eigentlich schon immer so oft wie möglich Achterbahn fahren. Habe es aber nie gemacht. Ich habe angefangen, Freunde zu besuchen, die ewig weit weg wohnen. Einfach mal so für 2 Tage, ohne über die Fahrtkosten nachzudenken. Irgendwie wird das schon gehen. Vor ein paar Jahren habe ich mit nem ziemlich ausgefallenen Sport angefangen, für den ich oft belächelt werde. Es sind kleine Dinge. Und dennoch machen sie mich glücklich.
Das bin eben ich.

Maxima van den Kampen schrieb am Mittwoch, dem 9. 8. 2006:

Ja, das ist gut. Ich will mit fechten und Lacrosse anfangen. Das sind solche Randsportarten - mal sehen wen ich in diesem unbekannten Territorium kennenlerne.

klaus schrieb am Sonntag, dem 27. 8. 2006:

ich finde es auch immer gut, wenn man nicht zu viel zu hause sitzt. ich habe jetzt für mich volleyball entdeckt. wenn ich mit anderen zusammen bin, denke ich nicht so viel nach.

sonst kann es manchmal auch sehr nützlich sein, sich einfach hinzusetzen, sich den düsteren gedanken hinzugeben und sich zu fragen, ob alles wirklich so schlimm ist. meistens ist es nicht der fall.

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