SeiDu.Blog

Wieder da.

Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch

Es war nicht warm in den letzten Tagen, es war heiß. Die Zeit schlich und ich hatte zum ersten Mal seit Monaten wieder die Gelegenheit, nachzudenken. Über mich, mein Leben und die Ziele, die ich hatte. Eigentlich läuft alles gut.

Die Uni ist vorbei, noch bevor sie so richtig begonnen hatte. Mit großer Verwunderung registriere ich, dass ich alle meine Kurse bestanden habe, ohne wirklich viel dafür getan zu haben. Im Gegenteil. Eigentlich war ich richtiggehend faul in diesem Semester, das an mir vorbeigeflogen ist, wie ein D-Zug und in dem ich nie wirklich ankam. Dennoch ist am Ende alles gut verlaufen. Nicht so gut, dass es mich dauerhaft zufrieden stellen könnte, aber doch gut genug. Wirklich zufrieden bin ich nicht.

Ich will, dass alles perfekt ist. Beruflich, wie privat. Daraus entstehen natürlich Fehler, denn niemand auf der Welt ist in der Lage, alles 100prozentig gut zu machen. Was natürlich nichts daran ändert, dass ich es immer noch perfekt machen will.
Auch mein Privatleben gewinnt den Schwung zurück. Wie lange habe ich darauf gewartet! Vorgestern war ich auf einer Party. Zum ersten Mal seit langem hatte ich dabei wieder Spaß. Ich kann nicht genau erklären, was eigentlich anders war, denn es war eine ganz typische Privatparty, bei der am Ende alle zusammen auf dem Balkon standen und sich die Kölner Lichter ansahen. Die meisten Leute kannte ich schon, das kann es nicht gewesen sein. Lauter Schwule, die sich auf einem Balkon zusammendrängelten um ein Feuerwerk zu begutachten eben. Und die dabei, davor und danach soviel Alkohol in sich hinein kippten, dass sie selbst fünf Stunden danach noch vorbeigehende Menschen angröhlten und eigentlich sowieso nur Mist machten.

Ich war zum ersten Mal seit Ewigkeiten erst nach Sonnenaufgang im Bett und fühlte mich gut. Am Abend und am Morgen danach. Leider passiert mir so etwas in meinem Leben viel zu selten. Meistens bin ich zu eingespannt, um den Augenblick zu genießen, wie man es als Student eigentlich tun sollte. Ich werde das ändern. So schnell es geht.

Seit neuestem gehe ich ins Fitnessstudio. Endlich. Ich hatte die Entscheidung, wieder mit dem Sport anzufangen, lange vor mir her geschoben. Denn Sport führt bei mir zu Neurosen. So auch jetzt. Nicht nur, dass ich seitdem dreimal täglich auf der Waage stehe, nein, ich bleibe auch noch länger vorm Spiegel stehen, um herauszufinden, ob der Waschbrettbauch sich schon eingestellt hat, oder nicht. Und ja, es funktioniert. Ich sehe nicht mehr ganz so dünn aus. Und auch sonst fühle ich mich besser. Ob das der Schlüssel ist?

Mein Leben hat zur Zeit nur einen Haken: Ich bin – etwas, dass einen Zustand permanenter, unterschwelliger Unzufriedenheit hinterlässt – immer noch Single. Kein Wunder, nachdem ich meinen letzten Freund in den letzten Monaten körperlich und seelisch so hart verarbeitet habe, wie vermutlich niemanden vor ihm. Jetzt wäre es Zeit für etwas Neues. Ich bin körperlich und gedanklich bereit. Für mehr als schnellen Sex, für mehr als dumme Oberflächlichkeit und vor allem: für mehr Mehr. Nur finden muss ich die Person dazu noch. Traummann, ich komme.


Icon fürs Schreibdatum Montag, 31. 7. 2006
 

bisherige Kommentare:

Steven schrieb am Montag, dem 31. 7. 2006:

Zu hören Nizza. Du findest jemand speziell. Ich bin einzeln, aber ich interessiere mich nicht im Augenblick. Ich bin sicher, daß du das Tun groß in deinen Kategorien außerdem bist.

Steven

Sascha schrieb am Montag, dem 31. 7. 2006:

Hmm ?!

Einer aus besagter Feier ? Lol…
Zumindest dein Kommentar liest sich so hehe… was er uns wohl damit sagen wollte :)

Sorry nicht boese gemeint :)

Anselm schrieb am Mittwoch, dem 2. 8. 2006:

Cool! Das sieht aus wie eine Maschinenübersetzung. Ich versuch mal, das Original zu rekonstruieren:

“Nice to hear. You’ll find someone special. I’m single, but I’m not interested at the moment. I’m sure you’ll do great in your classes as well.”

Anselm

Thommy schrieb am Mittwoch, dem 2. 8. 2006:

Ach, das ‘nach dem Morgenrot aufstehen’ vermisse ich auch sehr. Wünschte, dass sich das wieder ändern würde und zur ‘alten Normalität’ rüberkäme.

Detlef Emanuel schrieb am Donnerstag, dem 3. 8. 2006:

Viel Glück bei der Suche nach dem Traummann!

Maxima van den Kampen schrieb am Freitag, dem 4. 8. 2006:

Du findest das Glück immer da, wo du es am wenigstens suchst. Meins habe ich in einem Supermarkt in Lahti ( Finnland) gefunden.
Setz dich in den nächsten Zug und fahre blind irgendwo hin. Steig aus und versuche die Welt wie ein Kind zu sehen. Tu was albernes, setz dich auf nem Spielplatz auf eine Schaukel oder geh wandern ( raus in die Natur). Schau dir etwas ( Ausstellung etc. ) an, was dich eigentlich nicht interessiert: Und du bist mitten im Leben!

Alex schrieb am Samstag, dem 5. 8. 2006:

du sprichst mir aus der seele…

Alex schrieb am Montag, dem 14. 8. 2006:

@ Maxima: Wie recht du hast, finde ich! Das Glück krampfhaft zu suchen führt zu nix. Es ist der Zufall, der gern spielt… :-) Einfach mal was Neues, was Verrücktes tun, etwas Unerwartetes, sich selbst überraschen…

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