SeiDu.Blog

Von Spießern und solchen, die es werden sollten

Geschrieben von Julian in der Rubrik „Meinung

Bundeswehrsoldaten haben zukünftig ihre Ruhe. So hätte die Schlagzeile zu dem Artikel auch lauten können. Schließlich ist genau das der vermutliche Hintergrund des von Volker Beck zum „Anti-Schwulen-Erlass“ und zum Fall für das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ gehypte Erlass des Bundesministeriums der Verteidigung.
Natürlich mutet es zunächst einmal seltsam an, wenn das Bonner Ministerium – nicht eben gerade für größere Homofreundlichkeit bekannt – bekundet, seine Angestellten künftig nicht mehr in der Nähe von Schwulen nächtigen zu lassen. Und natürlich ist das Signal, das damit gesendet wird, mindestens als unglücklich zu bezeichnen.

Andererseits stellt sich die Frage: Wieso dieser Erlass?

Nun, jeder, der einmal in Armeeuniform, mit Lederhose (nicht Chaps!) oder Polizeibekleidung oder sonstigen Inhalten schwuler Fetishpornos gewandet durch ein überwiegend von Schwulen bewohntes Viertel gegangen ist, der weiß vermutlich, wieso. Er wird wahrscheinlich Zeuge dessen geworden sein, was Generationen von Volker Becks Parteifreundinnen erfolglos aus den Köpfern der Männer vertreiben wollten: plumper, derber Sexismus. Dieses Mal von Schwulen. Und weil heterosexuelle Männer meistens nicht dazu neigen, Anbaggereien von Schwulen zu goutieren, beschwerten sie sich eben. Beim Petitionsausschuss des Bundestages. Und der tat seine Pflicht und erwirkte eine Entscheidung. Schön, wenn Demokratie funktioniert.

Das hat übrigens mit Diskriminierung rein gar nix zu tun. Es handelt sich hierbei vielmehr – unter der Bedingung, dass es genauso passiert ist, wie ich es oben schrieb – nichts anderes, als das Prinzip, dass man niemandessen Grenzen verletzen darf. Respekt eben. Den sollten Heterosexuelle gegenüber Schwulen haben. Und wo er nicht existiert, müssen Schwule ihn einfordern. Selbstbewusst, laut und meinetwegen bunt. Aber so wie wir als Schwule respektiert werden wollen, so sollten wir auch unsere heterosexuellen Mitmenschen respektieren. Und wenn es sich nur um den Wunsch handelt, unangebaggert durch die Straßen zu laufen.

Die selbsternannten Lobbyisten der Homosexuellen protestieren natürlich dennoch gegen diese Entscheidung, was natürlich ihr gutes Recht ist. Schade dabei ist nur, das keine Reflexion innerhalb der homosexuellen Subkultur stattfindet. Denn manchmal kann man Unfrieden auch verhindern, indem man vorher einfach nachdenkt. Oder seinen Einfluss dazu nutzt, Menschen zum nachdenken zu bringen.

Verwandte Artikel:


Icon fürs Schreibdatum Sonntag, 23. 7. 2006
 

bisherige Kommentare:

Sascha schrieb am Dienstag, dem 25. 7. 2006:

Hut ab und respekt sehr gut geschriebener Text der inhaltlich zu hundert Prozent den Nagel auf den Kopf trifft.
Toleranz kann nur in beide Richtungen gehen und wenn ich ehrlich bin hatte ich bei dem Lesen des Beitrags vor deinem auch das Bild vor Augen welches du oben aufgezeichnet hast.

Tja man hofft halt doch das eines Tages alle Menschen wach werden und ihren gegenüber respektieren… solange hilft nur warten und selbst respekt üben..
Soll heissen nur weil es männlich ist und durch zufall durch ein Rosa Viertel läuft muss es lange noch nicht schwul sein ,)

Bernd schrieb am Mittwoch, dem 26. 7. 2006:

Julian, teilweise stimme ich Dir zu. Wenn wirklich heterosexuelle Bundeswehrsoldaten mehrfach von schwulen Fetisch-Typen angemacht / belästigt wurden, und deshalb diese Petition eingebracht haben, so hat dies seine Berechtigung und ich kann die Soldaten durchaus verstehen, die einfach nur ihre Ruhe davor haben wollen.

Andererseits stört mich ein wenig der Ton der Verlautbarung: “Den Soldaten könne keine Unterbringung in einem Viertel zugemutet werden, das der homosexuellen Szene mit ‘einschlägigen Lokalen’ zuzuordnen sei.” Homosexuelle Szene? Einschlägige Lokale? Ohoho! Das hört sich für mich an wie aus einer anderen Zeit; so etwa 50er, 60er Jahre oder vielleicht noch am Beginn der AIDS-Hysterie Anfang der 80er. Wie Janek am Sonntag schrieb, steuert uns Sprache - der Gebrauch der Sprache sagt außerdem viel über den aus, der sie benutzt. Irgendwie stelle ich mir beim Lesen des Pressetextes gerade irgendeinen 55-jährigen Schluffen im öffentlichen Dienst mit Frühstücksstulle, Sandalen und Tennissocken vor, der außer seiner Dienststelle, seiner Wohnung und seiner unmittelbaren Umgebung noch nicht wirklich viel von der Welt gesehen hat, und für den Schwulsein bestenfalls eine heilbare Krankheit ist. Da atmet zwischen den Zeilen ein wirklich reaktionärer Geist.

Und außerdem: Wer bestimmt eigentlich, was ein “einschlägiges Viertel” ist und was nicht? Gehört beispielsweise der Bonner Bertha-von-Suttner-Platz (ich komme auch ursprünglich aus Bonn) mit drei ziemlich irrelevanten schwulen Kneipen in einem Radius von ca. 500 Metern dazu? Und wie groß soll das “militärische Sperrgebiet” rund um eine schwule Einrichtung denn sein? Gehören vielleicht auch nicht nur Kneipen, sondern auch schwule Friseursalons oder Boutiquen dazu? Dann fürchte ich, dürfte die Bundeswehr, zumindest was Köln betrifft, nur noch in Chorweiler übernachten. Oder gleich ein Zeltlager im Königsforst. Oder auf dem Marienfeld; dort ist die Infrastruktur wenigstens noch komplett vorhanden :-)

Einen Kommentar schreiben

* = diese Angaben werden benötigt