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Geschrieben von janek in der Rubrik „Weitblick, Meinung

Sprache steuert uns. Eigentlich ist es gar nicht der Mühe wert, darüber zu schreiben, denn jeder weiß es, jedenfalls wird es mit jedem gemacht. Täglich prasselt Werbung auf uns ein, täglich erfahren wir, was gut ist, was schlecht ist, was wir richtig machen und was falsch. Ich habe mich einen Tag ganz bewusst in diesen Dschungel gestürzt und möchte hier nur kurz meine Ergebnisse präsentieren.

Geiz ist geil! Ein großer Elektronikhändler schreit es uns förmlich ins Gesicht – Geiz ist geil! Eigentlich sollen wir uns nun denken „Hey, die haben ja Recht, mein Sparwahnsinn ist also gar nicht mal so übel.“ und dann mit der Idee, dass dort alles kostenlos ist, in die nächste Filiale rennen, um den Geiz auszuleben. In der Tat fruchtet die Idee, mit dieser Werbung Leute beim Geizen zu unterstützen. Kürzlich war ich mit einer Freundin etwas trinken und sie wollte Kaffee. Weil der aber vierzig Cent teurer war als die Kaltgetränke, nahm sie ein Wasser. Meine Aufforderung hier: Gönnt euch auch mal was und belebt somit die deutsche Wirtschaft! Es liegt so viel Geld auf deutschen Dachböden und in den Kellern, es ist kein Wunder, warum es diesem Land so schlecht geht.

Ich bin doch nicht blöd! „Nee, höhö, da hammse Recht, höhö. Aber wenn ich ja jetzt bei anderen was kaufen tu, dann wär ich’s ja. Nee, höhö, nich mit mir, ich lass mich doch nicht reinlegen von denenen, ich kaufe dort, Klaus Dieter macht’s ja auch.“

Das MUST der Woche – Das war die schlimmste Qual an dieser „Recherche“ – ich habe mir die Sendung „Taff“ auf Pro7 angesehen. Nicht schon genug damit, dass man von zwei untalentierten Grinsebacken durch die höchst hohle Sendung geführt wird. Nein, man bekommt sogar noch gesagt, was gerade „hip“ und „trendy“ ist. Zum Beispiel wurde betont, dass „Arschgeweihe“ schon lange out wären. Sofort habe ich meine beste Freundin zum Arzt geschickt, sie soll es sich auf der Stelle mit dem Laser entfernen lassen! Schließlich wurde noch das „MUST der Woche“ vorgestellt. Impliziert wahrscheinlich den Satz „Das MUSST du kaufen“, egal wie sinnlos und überteuert es ist.

Gute zwei Stunden später geht der Wahnsinn weiter, mit Galileo. Was diese Sendung noch mit dem genialen Namensvetter zu tun hat, frage ich mich schon lange, außer vielleicht das südländische Aussehen des Moderators. Doch auch hier ein Satz, der mir sagt, wie ich denken muss: „Mit Themen, die Sie interessieren werden!“. Na wenn das so ist, muss ich da zuschauen, schließlich interessiert es mich.

VIB – Verliebt in Berlin. Abgesehen vom Stumpfsinn dieser Serie ist es doch wunderbar, wenn ich als Zuschauer sehe, dass ich, die Lotta der Schwulenszene, es zu etwas bringen kann, meinen Traumprinzen finden werde, erfolgreich im Job bin und von allen Discobesuchern geliebt werde.

Mein absoluter Werbefavourit ist die TV-Reklame fĂĽr „den Picknicker von Leibnitz“. Auch hier wird mir gesagt, wie schön ich abschalten kann, wenn ich mit diesem Riegel genieĂźe. Die sofort aufkommenden LMAA-Stimmung macht mich bei meinen Freunden und Arbeitskollegen beliebt und ich werde genauso cool und locker wie die im Fernsehn…

Würde ich jetzt noch vom Werbefernsehen, Horoskopvorhersagen, Gewinn-TV oder Klingelton/Handylogo-Spots anfangen, bräuchten wir noch Stunden, ich noch eine Falsche Wein und niemandem wäre geholfen. Nach nur wenigen Stunden, tausenden Hirnzellen weniger und weiteren nicht enden wollenden Werbesprüchen, wie „Obi – genial“, „Geht nicht, gibt’s nicht“, „feel the difference“, „Bestellen Sie jetzt!“, und so weiter, schaltete ich meinen Flimmerkasten ab und wusste kurz nicht mehr, wer ich bin.


Icon fürs Schreibdatum Sonntag, 23. 7. 2006
 

bisherige Kommentare:

Martin schrieb am Sonntag, dem 23. 7. 2006:

Genau, Werbung ist doof, ich beriesel mich auch lieber mit den Filmen, die dazwischen laufen… ansonsten komm ich noch auf die Idee, was zu bewirken.

Wie bei der Werbung vermisse ich die kritische Auseinandersetzung…
Aber Werbung preist auch nur an, soll dieser Artikel das auch? Wenn ja, was…

Und wo ist das Ergebnis? Ăśber Werbung finanziert sich das Privatfernsehen, das halbe Internet, sogar Zeitschriften. Unglaublich aber wahr… wie sähe es erst aus, wenn wir keine Werbung sondern GebĂĽhren fĂĽr jeden Film im Fernsehen ausgeben mĂĽssten? GEZ mögen ja auch die wenigsten. Seltsam…

Alex schrieb am Samstag, dem 5. 8. 2006:

auch ich als angehender werbepsychologe und möchtegern-weltverbesserer möchte meinen senf dazu geben;) wobei sich das vorher ja schon widerspricht…
was ist werbung eigentlich? ist nicht auch schon das herausputzen abends fĂĽr die disko werbung fĂĽr sich selbst, oder das darstellen in so einem blog werbung fĂĽr die eigenen gedanken? kann mich werbung ĂĽberhaupt ĂĽberzeugen, wenn ich gar kein interesse an dem produkt habe?

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