Geschrieben von janek in der Rubrik „Janeks Tagebuch”
Draußen regnet es. Ich sitze hier und schreibe. Schreibe um zu verarbeiten, was gerade passiert; mit mir, in mir. Heute sollten wir auf Portugiesisch Verben konjugieren. Ich habe chover genommen - regnen. Mein Lehrer und alle anderen im Kurs fanden es total lustig und fragten, wie oft ich regne. Oft; zu oft.
Meist sieht man es nicht, wenn ich regne, wenn ich weine, aber innerlich tobt in mir ein ständiges Gewitter, wie es gerade vor meinem Fenster passiert. Wolken, die mir die Sicht und die Sonne nehmen, Donner und Gebrüll meiner Seele. Ein Blitz, plötzlicher Aufschrei all dessen, was sich angestaut hat und an dem ich mich rieb. Regen. Immer wieder regen. Innere Tränen die versuchen mit all dem fertig zu werden, was ich tue und was um mich herum getan wird. Ich habe mit meinem Freund Schluss gemacht. Ich weiß nicht für wie lange. Mit ihm regne ich, ohne ihn regne ich auch. Mit ihm scheint ein Ende des Regens so fern, nur hier und da erfreue ich mich an einem Regenbogen. Ohne ihn ist der Sturm schrecklicher als man es sich vorstellen kann, aber es ist nur ein kurzes Sommergewitter, auf das schnell wieder klarer Himmel und geborgene Wärme folgen. Er gibt alles, um mich glücklich zu machen, aber die Stellen, mit denen ich nicht klar komme, sieht er einfach nicht, egal wie oft ich ihn darauf anspreche.
Jemand sagte mal, dass Sex vor einer Trennung sehr brutal ist, sehr grob. Man spüre das, was kommt, und versuche, den anderen zu zerstören. Vielleicht stimmt es. Vielleicht liegt es auch an mir, vielleicht komme ich nicht mit Menschen klar. Oft habe ich dieses Gefühl und bin einsam. Natürlich habe ich Freunde, allerdings nur sehr wenige, die für mich da sind und das auch schaffen. Kaum einer schreckt nicht vor meinen Launen zurück und bleibt am Ball, um in mein Innerstes zu schauen. Jürgen hat das gemacht. Vielleicht habe ich ja auch einfach Angst davor einem anderen Menschen zu zeigen wer ich bin. Es reicht, dass ich mich kenne und mit mir fertig werden muss. Einen anderen Menschen damit zu belasten halte ich für falsch. Eigentlich sollte ich das alles nicht schreiben. Wie auch immer, nun steht es hier und Menschen die mich nicht kennen werden schreiben “sicher war es die richtige Entscheidung” oder “viele Mütter haben schöne Söhne”. Menschen die ich kenne werden versuchen mir ihr Ohr zu spenden, doch all das wird mich nur noch mehr aufregen. Als Schwuler ist man allein. Immer. Jemand schrieb bei gayromeo die Frage, wo das Tor zur Hölle sei, denn einsamer als hier, könne es dort nicht sein. Ich denke, er hat Recht.
bisherige Kommentare:
t-PUNCK(t) schrieb am Freitag, dem 16. 6. 2006:
“Ich habe mit meinem Freund Schluss gemacht. Ich weiß nicht für wie lange.”
—
‘wie lange’ - Wie bitte?
Entweder man ist mit einem Menschen verpartnert oder nicht. Ich persönlich gebe jedem Partner genau eine Chance, mit mir zusammen zu sein.
Wenn eine Parnerschaft zerbricht, ist dies endgültig und unumkehrbar. Auch wenn ich einen Ex-Freund noch lieben sollte, ist ein weiterer Umgang über ein gewöhnliches Freundschaftsverhältnis hinaus ausgeschlossen.
Wer in Inkonsequenz hadert, wird seine Tränen nicht von fremden Regentropfen unterscheiden… hab’ den Mut, aus dem Regen zu treten. Sei ..!
+schnipp+
“Als Schwuler ist man allein. Immer.”
—
Wenn man sich selbst weiter ausgrenzt, als man das allein-sein braucht… kann dieser Eindruck schon mal entstehen.
t-PUNCK(t)
Daniel schrieb am Samstag, dem 17. 6. 2006:
Hallo Janek,
ich bin auch portuguieser und mir geht es auch oft sehr schlecht.
Das sind aber nur Phasen,glaub mir,
irgendwann wird alles einfacher.
Wenn du willst können wir uns schreiben.
Xau
Bachmann, Thomas schrieb am Dienstag, dem 20. 6. 2006:
Ein Schwuler ist immer allein, und wird immer alleine bleiben!
stefan schrieb am Samstag, dem 24. 6. 2006:
“Ein Schwuler ist immer allein, und wird immer allein bleiben”? Hmm, das ist eine interessante Aussage, T-Punck(t) und Thomas.
Es mag sein, dass ihr Recht habt.
Aber dann müssten auch alle anderen immer allein sein.
Ehrlich gesagt, habe ich so meine Zweifel. Ich denke, jeder hat jemanden, der bei ihm ist. Freunde und andere, die ihn mögen. Oder sollte zumindest jemanden haben. Zumindest liegt es nicht daran, dass er schwul ist, wenn er niemanden hat.
Ich jedenfalls fühle mich nicht allein. Und schon gar nicht immer.
Andreas schrieb am Montag, dem 26. 6. 2006:
“Ein Schwuler ist immer allein, und wird immer allein bleiben” - gemeinsam mit ca. 5% der der Weltbevölkerung, die auch schwul oder lesbisch sind. Das dürften in Deutschland rund 4 000 000 Menschen sein, die genau so allein sind. Davon sind ca. 2 000 000 schwule Männer. Wir sind nicht allein, weil wir schwul sind. Ich denke alle Menschen sind allein und nach der Suche nach dem Einen, der zu uns passt. Etwas einfacher könnte es werden, wenn wir uns öffnen, für den, der sich für uns öffnet. Und wenn wir mit uns selbst zufrieden sind und nicht mehr suchen, dann wird er plötzlich da stehen. Der Mann, der dich total verrückt macht, nach 3 Minuten und nicht erst nach der ersten Nacht.
t-PUNCK(t) schrieb am Donnerstag, dem 29. 6. 2006:
Hi Janek
schau dir mal auf der HP von Nada Surf (www.nadasurf.com) das Video
‘Inside of Love’ an… was hälst du davon?
lg
t-PUNCK(t)
Sascha schrieb am Dienstag, dem 11. 7. 2006:
Hmm kenn ich das Gefühl…
Ich sitze 1307 km von Heimat und echten Freunden weit weg in einem wunderschönem Land und könnte eigentlich Glücklich sein..
Auch wenn mittlerweile einige “Freunde” bescheid wissen und mir echt zur seite stehen nun man ist doch immer wieder alleine und es ist ein erdrückendes Gefühl..
Gehe dann meist am Meer spazieren.. hilft nicht wirklich aber es bringt einem auf andere Gedanken.
Helfen wird dir niemand können. Aber man kann lernen mit dem Gefühl zu leben und evtl. findet man jemanden mit dem man teilen kann.. leider nur viel zu selten.
Georgi schrieb am Sonntag, dem 13. 8. 2006:
Hallo Janek! Solche Gefühle sind mir auch ganz bekannt und unglücklicherweise kann ich mit denen überhaupt nicht zurechtkommen; sie überkommen mich einfach und lassen mich wochenlang nicht in Ruhe. Wenn ich versuche, sie zu unterdrücken oder auf irgendeine Weise zu beeinflussen, werden sie noch stärker und noch intensiver. Neulich habe ich mich in einen Jungen verliebt, aber ich bezweifle es, dass es bei uns klappt, so dass das Gefühl der Einsamkeit wahrscheinlich rapide zunehmen wird. Und was kann ich dagegen tun?! Eigentlich nichts! Freund habe ich schon kaum welche; die wenigen, die für mich wichtig sind, beargwöhnen, dass ich schwul bin und werden mich demnächst sicherlich im Stich lassen.So ergibt sich schon, dass ich völlig alleine bleibe; Alleinesein ist aber schrecklich udn widerlich, deswegen wäre es eine logische Folge für mich, meinem Leben ein Ende zu setzen… Wenn mir dies überhaupt Ruhe gibt, kann ich leider auch nicht wissen.