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Generation Wind?

Geschrieben von janek in der Rubrik „Janeks Tagebuch

Sei wie der Wind, lass dich tragen und schlage keine Wurzeln. Sind das die Richtlinien unserer Generation? Wollen wir weg, nichts wie weg aus Deutschland? Warum? Bieten uns andere Länder, andere Gesellschaften wirklich mehr? Mehr wovon? Oder geht es uns nur um Abwechslung und das Problem ist gar kein Problem?

Gerade habe ich mit meinem Vermieter über meine Zukunftsaussichten und Pläne gesprochen und dabei ist mir aufgefallen, dass es mich und viele meiner Freunde in die Ferne zieht. Während ich dabei auf romanische Länder fixiert bin, zieht es eine Freundin sehr in die arabische Welt. Ich habe mir daraufhin über die obenstehenden Fragen Gedanken gemacht. Ein sehr guter Freund sehnt sich nach Japan, und diverse Schulfreunde sind bereits in Irland, der USA oder der Türkei. Warum wollen wir weg aus Deutschland? Ist es tatsächlich so, dass es für einen jungen Menschen in Deutschland nichts mehr zu tun gibt?

Ein anderer Freund aus der Grundschule ging in die Schweiz um eine Ausbildung zum Koch zu beginnen. Ein Heizungsmonteur aus unserem Dorf ging auch in die Schweiz. Ist das Problem in unserer Generation verwurzelt oder in unserer Gesellschaft? Oder ist es gar kein Problem und war vielleicht schon immer so? Ich habe keine Antworten auf all diese Fragen, sondern kann nur feststellen, dass Studiengänge wie Auslandsgermanistik boomen und eben viele meiner Freunde in aller Welt zerstreut sind. Es würde mich sehr freuen, andere Erfahrungen zu lesen, oder mögliche Antworten.


Icon fürs Schreibdatum Freitag, 19. 5. 2006
 

bisherige Kommentare:

Pascal schrieb am Samstag, dem 20. 5. 2006:

Mich zieht es auch ins Ausland und daran wird sich nie etwas ändern. Ich bin in Deutschland einfach nur unzufrieden.

Savoy schrieb am Samstag, dem 20. 5. 2006:

Die sicherlich wachsende Mobilität lässt sich nicht ändern, sie ist Ausfluss der Globalisierung. Meine Oma musste ins Nachbarstädtchen noch 2 Stunden wandern, jetzt brauche ich so lange um nach London zu kommen. Es gibt keine Entfernungen mehr, die einen hindern könnten wegzugehen. Das einzige was einen noch an die Scholle bindet, ist die Liebe zur Heimat. Aber die kann manchmal auch nicht helfen, wenn zB. keine Arbeit vor Ort ist oder das eigene Örtchen keinen Reiz ausstrahlt.

Janek schrieb am Sonntag, dem 21. 5. 2006:

Aber auch das ist so ein kritischer Punkt: Ich empfinde keine Heimatgefühle. Heimat ist für mich da, wo mein Herz ist, auch wenn dieser Spruch total ausgetreten ist. Also bei meinen Eltern, meinem Bruder, meinem Freund, oder in meinen vier Wänden, egal wo die sind. Heimat ist für mich all das, wo ich mich wohlfühle und wo Freunde und Familie sind.

stefan schrieb am Sonntag, dem 21. 5. 2006:

Ich habe mehrfach auswärts Praktika gemacht und in dieser Zeit habe ich den jeweiligen Ort als mein Zuhause angesehen. Von daher geht es mir ähnlich wie dir, Janek, dass ich auch kein Heimatgefühl kenne. Ich habe mich allerdings irgendwann einmal sehr darüber gewundert, dass mich mit dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin, gar nichts mehr verbindet. Ich finde ihn eher abstoßend. Das habe ich dann doch nicht erwartet.
Ich wohne seit einigen Jahren in Bielefeld. Ich fühle mich hier wohl und es gefällt mir hier. Allerdings kommt doch langsam der Drang nach Veränderung, wieder etwas Neues zu erleben in mir auf. Ich würde schon gerne wieder einmal den Ort wechseln. Es muss nicht die Ferne sein, aber etwas anderes. Aber wenn sich ein anderes Land oder eine ganz andere Gegend anbietet, würde ich keine Sekunde davor zurückschrecken.
Die Leute, die ihr Leben lang am selben Ort aufgewachsen sind, dort arbeiten und schließlich dort sterben und damit auch noch glücklich sind, verstehe ich nicht. Ich hätte das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Die Veränderung ist für mich eine Herausforderung und ich nehme sie gerne an. Der Wunsch danach ist vielleicht eine Konstante in meinem Leben.

Savoy schrieb am Montag, dem 22. 5. 2006:

Na wenn man einen so flexiblen Heimatbegriff hat, dann steht einer totalen Mobilität nichts im Wege. Es müssen sich halt nur die Perspektiven in Studium oder Beruf auftun. Ich selbst bin meinem Heimatdorf zwar ziemlich kritisch ggü. eingestellt, aber dennoch empfinde ich eine sehr tiefe Verbundenheit zu diesem Ort. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass ich dort nie wieder wohnen werde, aber wenn ich mich irgendwo verstanden und geborgen fühle, dann dort wo die Familie ihre Wurzeln hat. Der dicke Kohl hat mal gesagt, dass es immer einen Dreiklang gibt, zwischen Heimat, Vaterland und Europa. Ein selbstbewusster Europäer könne nur sein, wer seine Heimat liebt. Kann man drüber nachdenken.

Artur schrieb am Freitag, dem 2. 6. 2006:

Ich glaube, dass der Mensch schon gewisse Konstanten braucht, die in gewisser Weise identitätsstiftend wirken und eine Zugehörigkeit begründen. Natürlich sind es vor allem andere Menschen, die eine solche Zugehörgkeit konstituieren, aber die Menschen sind ja eher weniger konstant. So sind - glaube ich - Orte wichtige Fixpunkte im Prozess der Identitätsbildung. Aber es muss nicht der Ort bzw. die Region sein, wo man geboren ist, sondern der Ort, an dem es einem gut geht - ubi bene, ibi patria. Und das ist wohl ein wichtiger Grund für die starke Auswanderungstendenz unter Jugendlichen und jungen Menschen: die Suche nach einem Ort, an dem es besser geht, man die Vorstellungen und Wünsche, die man hat, glaubt besser umsetzen zu können. Auf jeden Fall haben Menschen ein starkes Bedürfnis nach Heimat, oder anderes gesagt: Zugehörigkeit.

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