Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch”
aus dem Archiv:
Manchmal hat eine schlaflose Nacht und das damit zusammenhängende Verweilen bei Gayromeo ja durchaus Fortbildungscharakter. Man kann viel lernen, auf den „blauen Seiten“.
Nicht nur über die sogenannte schwule Welt in all ihre Ausprägungen, übers Fisten und gefistet werden, über Beziehungsdramen, die sich ergeben, weil Partner A seinen Partner B nicht verlinken wollte (kreisch!) oder über den schnöden Mammon des schwulen Lebens in Zeiten von gayromeo: Leute, die selbst nachts um drei noch jemanden zum ficken suchen. Mir ist zwar schleierhaft, wie man nachts um drei noch geil genug sein kann, um in einem Park mit einem Typen rum zu machen, aber andererseits bin ich wohl schon soweit abgestumpft, dass ich mir diese Frage nur dann stelle, wenn ich gerade Tagebuch schreibe.
Ansonsten gilt: Mir doch egal. Dutzende von Männern schieben sich ihren Arm bis zum Anschlag in den Anus. Mir doch egal. Dutzende von Männern suchen jeden Tag jemanden, der sie mit einer Reitgerte auspeitscht. Mir doch egal. Dutzende von Männern suchen jeden Tag jemanden zum gegenseitigen anfurzen, anspeicheln oder an-was-auch-immern. Echt? Wie lustig! Dutzende von Männern ficken sich jeden Tag ohne Gummi in den Po. Mir doch egal?
Leben „nach Absprache“ sozusagen. Im Männerkatalog bleibt wenig Raum für Überraschungen. Schnell gelangt man vom Smalltalk zum Sexgespräch, dann über die sexuellen Erfahrungen zu Beziehungen und schließlich zum Leben. Kein Wunder, dass sich die Chatpartner, wenn sie sich denn im realen Leben mal treffen, öfter mal nichts zu sagen haben. Man kennt sich ja schließlich und glaubt zu wissen, was man vom Gegenüber zu erwarten hat. Was zählt, ist nicht, wie man ist, sondern, wie man im Katalog wirkt. Leben in Bildern und nicht in der Realität. Wer die besten Bilder hat gewinnt. Angesprochen wird nicht, wer am sympathischsten rüberkommt, sondern wer den längsten Schwanz hat.
Richtig spannend wird es bei gayromeo, wenn über Politik debattiert wird. Doch, das passiert. Der weitaus größere Teil debattiert zwar lieber miteinander über die besten Ficktechniken, aber ja, es gibt auch Interessierte, die sich in Clubs mit Namen wie „Machtwechsel“ oder „JUGays“ zusammenschließen und ein wenig geistig-moralischen Inzest pflegen. Mir persönlich fällt es ja schwer, z.B. die Debatte über eine höhere Mehrwertsteuer ernsthaft mitzuverfolgen, wenn links neben der zur Protokoll gegebenen Meinung der Meinungsinhaber in kompromittierender Pose zu sehen ist. Vielleicht bin ich einfach spießig.
Ein Kommentar:
manuel schrieb am Montag, dem 29. 5. 2006:
Dem scheint nichts mehr hinzu gefügt werden zu müssen…das hast du nett & treffend zusammengefasst
auch wenn die blaue Welt so sehr nervt und schlaucht - wir sehen uns spätestens morgen dort ;-)