Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch”
Erst einmal Entschuldigung dafür, dass ihr solange auf einen neuen Eintrag habt warten müssen. Ich war bei meinen Eltern in Braunschweig. Meine Eltern sind (technisch) so rückständig, dass sie weder einen PC besitzen – von einem Internetanschluss brauche ich dann logischerweise gar nicht zu reden.
Daher konnte ich nicht schreiben, auch wenn ich es so gerne getan hätte.
Verzeiht.
Aber ich hatte die Ablenkung dringend nötig. Irgendwie fängt Bonn an, kompliziert zu werden. Nicht, dass ich die Stadt nicht mögen würde. Im Gegenteil, ich wohne hier lieber, als in irgendeiner anderen Stadt vorher, aber irgendwie habe ich im Moment mich in einem Spinnennetz aus Emotionen zu verhaken und alle drei Meter darüber zu stolpern und mich mit einem lauten Knall auf die Klappe zu legen.
Ich bin Single. Und eigentlich sogar glücklich damit, denn in meinem vollgestopften Leben wäre sowieso keine Zeit für eine Beziehung. Zumindest nicht für eine, so wie ich sie mir wünschen würde.
Nun fangen aber selbst die sexuell inaktivsten – verzeiht - Deppen in meiner näheren Umgebung in letzter Zeit an, ihren Hormonen nachzugeben und werden spitz.
Mein Bekanntenkreis teilt sich in zwei Hälften, deren Gegensätze kaum größer sein könnten und die doch eines gemeinsam haben:
Sie verletzten mich. Unabsichtlich und ganz tief drinnen.
Von der einen Hälfte schallt es mir bei jedem Telefonat aus dem Hörer entgegen, wer mit wem wann was gemacht hat, wer weswegen wieder mit wem zusammen ist und wer jetzt nach was-weiss-denn-ich-wie-langer-Zeit wieder einen Freund hat.
Und als Krönung erzählen mir diese Menschen dann auch noch, sie hätten jetzt auch wieder jemanden im Blick, den sie baldmöglichst zu Ehelichen gedenken.
Ich bin glücklicher Single, das dachte ich zumindest bis vor vier Tagen, als diese Welle über mich hereinbrach. Jetzt weiss ich nicht mehr, was ich will; Oder wollen sollte. Mein Zeitkonto lässt keine Beziehung zu, zumindest keine, die ansatzweise so aussieht, wie ich mir das eigentlich vorstelle.
Ich glaube, ich werde eine Kontaktanzeige aufgeben.
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Ich hasse es, Menschen vor den Kopf zu stoßen. Und das tue ich seit 4 Tagen am laufenden Band, denn die zweite Gruppe besteht nämlich aus Menschen, die unverständlicherweise mich als Objekt ihrer hormonellen Begierde auserkoren haben und etzt alles tun, um mich dieses wissen zu lassen, mich von sich zu überzeugen oder auch einfach nur ständig anrufen und reden wollen.
Neben der Frage, wo ich schnellstmöglich den Mann meines Lebens finde, muss ich also auch noch drei Leuten erklären, dass ich sie mag, mir aber leider nichts mit ihnen vorstellen kann.
Wenigstens ist heute schönes Wetter.