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Pärchenscheisse

Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch

Endlich Woche! Ich weiß, das klingt auf den ersten Blick etwas seltsam, aber es ist genau das, was ich fühle. Während der Woche habe ich selten Gelegenheit, nachzudenken. Vor lauter Arbeit komme ich zu wenigen Dingen, höchstens zum einkaufen, Wohnung putzen und vielleicht noch zu einem Kinobesuch. Den Rest der Zei verbringe ich mit Arbeit. Oder damit, mich von selbiger zu regenerieren.

An Wochenenden jedoch fällt die Arbeit meistens weg und ich bin mir selbst, bzw. dem, was die Umwelt mit mir macht, mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert. Das Ganze begann am Freitag, als ich eigentlich auf die Poptastic - Party gehen wollte, die mir das letzte Mal gut gefallen hatte. Ging natürlich nicht, weil ich am nächsten Tag früh rausmusste, um an einem Großereignis teilzunehmen. Meine Schuld also.

Als Ersatz hatte mir mein bester Freund einen Videoabend angeboten. Ich freute mich drauf, denn solche Abende sind in der Regel sehr nett. Auch dieses Mal war es sehr angenehm. Der Film, Heartbreakers, war nett, es gab Chips und Coke und alles war schön.

Bis zu dem Moment, in dem aus einem Freund ein „Strohwitwer“ wurde.

Ich führe eine Fernbeziehung. Und ich liebe meinen Freund wirklich. So wirklich, wie man einen Menschen nach einem halben Jahr eben lieben kann. Und ich vermisse ihn. Mehr oder weniger jeden Tag. Noch mehr vermisse ich ihn allerdings immer dann, wenn neben mit ein glückliches Pärchen sitzt, sich fast aufisst, oder besteigt und mich mit jedem Kuss und jeder Sekunde, in der Händchen gehalten werden, daran erinnert, das ich alleine bin. Und Händchen halten könnte. Knutschen könnte. Ihn fühlen könnte. Es aber natürlich nicht kann, weil mein Freund weit weg wohnt.

Dann: Samstag. Großveranstaltung. Überall Pärchen. So, als handele es sich nicht um eine offene Veranstaltung, sondern als sei Pärchenzwang. Alle hatten ihren Mann, seine Frau, ihre Frau, seinen Mann dabei, teilweise sogar Kinder. Nur ich saß alleine da. Single. Jetzt weiß ich, wie sich eine kinderlose Frau auf einem vollen Kinderspielplatz fühlen muss. Irgendwie unvollständig.


Icon fürs Schreibdatum Donnerstag, 2. 6. 2005
 

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