Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch”
Soweit so gut. Ich habe die Grippe. Da man an allem ja die Vorteile sehen soll, freue ich mich drĂĽber. So kann ich endlich mal ausspannen und in aller GemĂĽtsruhe die Ereignisse der letzten Wochen ordnen.
Mein Leben dreht sich. Wenn Alex darüber philosophiert, dass das Leben sich verändert, so hat er Recht. Ich habe in den letzten Tagen versucht, mit Gewalt auf Dinge Einfluss zu nehmen, die man nicht verändern kann. Oder sollte. Auf Freundschaften zum Beispiel. Man kann Menschen weder dazu zwingen, mich zu mögen, noch – und das war die viel überraschendere Erkenntnis – jemanden dazu bringen, mich nicht mehr zu mögen. Man kann sich auch nicht selbst zwingen, anders zu sein, als man eigentlich ist. Weniger schüchtern, weniger aufdringlich oder weniger unpünktlich zu werden. An schlechten Eigenschaften kann man arbeiten, aber man kann nicht ad hoc dazu übergehen, plötzlich zugänglich, unaufdringlich und pünktlich zu sein. Und man kann sich nicht dauerhaft verbiegen, nur um Menschen, denen man aus den unterschiedlichen Gründen glaubt, gefallen zu müssen, zu gefallen.
Um das zu begreifen, brauchte es in vielerlei Hinsicht nur einen Abend: den letzten Freitag. Die U27. Ich wurde z.B. von einem hĂĽbschen Menschen angesprochen, den ich aus dem Chat kannte. Und ich hatte mir kurz vorher noch geschworen, nie wieder schĂĽchtern oder abweisend zu reagieren. Es ist mir nicht gelungen. Ich habe reagiert wie ein panisches Kaninchen.
Nur eine von vielen Eskapaden an diesem Abend. Aber eine, die zeigt, das nichts von dem, was ich mir in den letzten Tagen vorgenommen habe, wirklich funktioniert hat. Aber dann – hat man Freunde. Die sich nicht nur geduldig die Probleme anhören und zur Lösung mindestens einen klugen Satz beisteuern. Und die dennoch nicht kritiklos bleiben oder mir mehr Mitleid zukommen lassen, als notwendig oder angemessen wäre. Echte Freunde eben.