Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch”
Kennst du das Gefühl, durchatmen zu wollen und es nicht zu können? Kennst du das Gefühl, eine Entscheidung getroffen zu haben, sie nicht zu bereuen und sich doch aus tiefstem Herzen zu wünschen, dass man sie so nicht hätte fällen müssen?
Wenn ja, dann willkommen in meiner Welt.
Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich weder ein einfacher Mensch noch ein Naturtalent in Sachen Umgang mit Emotionen bin. Im Gegenteil, ich bin relativ eigen, was meine Gefühle und Empfindungen betrifft und stehe mir und meinen Emotionen durchaus recht hilflos gegenüber. Meine Lehrer haben diesen Zustand früher mit „Julian ist äußerst emotional“ beschrieben. Meine Pubertät war für mich und meine Eltern aus diesem Grunde sicher die Hölle – und seitdem sie vorbei ist, betrachte ich meine vorübergehende Emotionslegasthenie mit zunehmendem Unverständnis. Das heißt jetzt freilich nicht, dass ich meine Emotionen nicht berechnen oder kontrollieren könnte. Oh nein, darin bin ich so etwas wie Spezialist. Mein Problem ist, dass ich immer weiß, wann ich in eine emotionale Falle laufe – und es dennoch tue, auch wenn ich weiß, dass es weder mir, noch der Situation, in der ich mich befinde, gerecht wird.
Mein Wochenende war so eine Situation. Ich war nämlich meinen Ex besuchen. Genau, den Ex, von dem alle meine Freunde, meine und seine gesamte Familie und überhaupt alle Menschen, die jemals seinen Namen aus meinen Mund haben hören müssen sagen: „Heirate ihn!“ – jedenfalls im übertragenen Sinne.
Nun, wir sind nicht verheiratet. Oder zusammen. Warum das so ist, kann ich nicht beantworten. Schaut man sich das Wochenende, losgelöst von all dem, was vorher war, an, dann müssten wir jetzt wahrscheinlich zusammen sein. Ich glaube, wir hatten selten eine bessere Zeit miteinander. Und wenn ich ehrlich zu mir wäre, dann würde ich mir eingestehen, verliebt zu sein. Nur, dass das „Kribbeln“ fehlt.
Und auch, wenn man die zurückliegenden Wochen betrachtet, so findet man wahrscheinlich kaum einen Grund, weshalb es nicht hätte klappen sollen, mit uns Beiden. Vielleicht liegt genau darin, in der Zwangsläufigkeit, der Grund, weshalb es schlussendlich doch nur zu einem „Im Moment eher nicht“ gereicht hat. Und ich jetzt hier sitze und nichts finde, dass gegen unsere Entscheidung spricht. Aber auch eben nichts, dass überzeugend dafür spräche. Ein Freund sagte mir, wir seien einfach zu „verkopft“ an die Sache herangegangen und könnten uns in diesem Zustand eine Beziehung so oder so abschminken.
Ich brauche Nachhilfe in Emotionskunde.
Ein Kommentar:
Alex schrieb am Freitag, dem 4. 8. 2006:
Ohjeee… “zu verkopft”?
Das wird mir auch unterstellt, nachgesagt oder was immer. Ich nehme mir immer wieder neu vor, spontaner, “mehr aus dem Bauch heraus”, eben emotionaler zu sein und manchmla gelingt es mir wohl auch. Aber das ist wohl so eine ähnlich schwierige sache wie sich vorzunehmen “weniger schüchtern” zu sein ;-)