Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch”
Herrje! Erst das Wahlergebnis, jetzt das. Ich hatte mich gerade von der Tatsache erholt, dass zwei Menschen, die ich bisher fĂĽr halbwegs intelligent gehalten hatte, sich dazu auserkoren fĂĽhlen, Deutschland zu regieren. Obwohl Beide nicht wesentlich mehr als ein Drittel der Stimmen bekommen haben. Kasperltheater.
Dazu noch ein weitgehend ideologiefreier Schuljunge, der seine Partei durch puren Zufall näher an alte Ziele (18 Prozent) geführt hat, als er und der gesamte Rest der Republik sich das jemals zu träumen gewagt hatte und ein abgehalfterter Turnschuhminister, dessen Abgang nach dem irgendwie-nicht-so-tollen Abschneiden seiner Partei niemanden mehr überrascht hat. Ersterer kann vor neu gewonnener Ernsthaftigkeit kaum laufen und betont – mindestens ebenso von sich selbst berauscht wie der Kanzler – sich nicht an solchen „Hampeleien“ wie einer Regierungsbildung beteiligen zu wollen. Das sei man dem Wähler schließlich schuldig. (Was für ein Vertrauen ins eigene Programm!). Und Letzterer? Letzterer sieht zu, wie seine ehemaligen Gefolgsleute aus der eigenen Partei noch ein letztes Mal große Politik spielen. Dieses Mal, indem sie der gescheiterten Maggie Merkel und dem gescheiterten Ede Stoiber einen Besuch abstatten und so tun, als gäbe es mehr zu bereden als „Nein, wir passen nicht zusammen.“
Deutschland hat Aufmunterung also bitter nötig. Und gerade so, als hätten die Macher von „Du bist Deutschland“ vorher geahnt, welche Verunsicherung von den Medien nach der Wahl herbei geschrieben werden würde, so starten sie jetzt ihre Kampagne „gegen Verunsicherung und für positives Denken“. Prominente - darunter Xavier Naidoo und Ulrich Wickert, und Andere, die ihre Nase anscheinend für alles in die Kamera halten, das halbwegs so aussieht, als könnte man damit berühmt werden – und „Normale“ sprechen in verteilten Rollen das „Manifest“, das ein bisschen so klingt wie eine Mischung aus SPD-Wahlkampf und einem Söhne Mannheims-Song. Vielleicht ist Naidoo deswegen dabei.
Quintessenz des Ganzen: Du bist Deutschland, also bring gefälligst dieser Tatsache ein bisschen mehr Begeisterung entgegen. Wenn du schon Schalke und Schumi mit einem Fähnchen zuwinkst, dann kannste auch Deutschland zujubeln. Krieg den Arsch hoch und jammer nicht. Schön auch: „Behandele dein Land wie einen guten Freund. Wenn es Probleme hat, dann ärgere dich nicht darüber, sondern biete ihm deine Hilfe an.“ Und natürlich das in diesen Tagen unvermeidliche: Wenn wir alle ein paar Opfer bringen, dann schaffen wir das.
Hat Angela Merkel im Wahlkampf auch gesagt. Okay, nicht ganz so salbungsvoll (in Orange) und mit weniger Prominenz (Ralf Möller und Marie Luise Marjan), aber sie hat es gesagt.
Ein bisschen ist das also so, als habe man damit gerechnet, dass Angie die Wahl gewinnt. Der hätte die Kampagne bestimmt gefallen. Lauter nette Menschen, die sich ohne über irgendwelche Nachtarbeitszuschläge zu jammern, fröhlich und gehaltvoll Richtung Aufschwung schwafeln. Amen.
Falls du dir die Kampagne mal anschauen möchtest: www.du-bist-Deutschland.de