Geschrieben von Julian in der Rubrik „Julians Tagebuch”
Wenn man Single ist, reduziert sich die Welt auf zwei Dinge: Männer und Sex. Das jedenfalls scheinen all diejenigen Menschen zu glauben, die in den vergangenen Tagen nach meinem Befinden fragten, sobald irgendjemand ihnen erzählt hatte, dass ich kurz zuvor verlassen worden war.
Nun freue ich mich natürlich über jede Form der Anteilnahme, auch wenn sie – wie in der Schwulenszene üblich – von Menschen kommt, denen mein Befinden freundlich gesagt eher gleichgültig ist. Oberflächlichkeit gebietet halt auch Nachfragen. Solange der Nachgefragte nicht ehrlich antwortet, sondern ein treuherziges Lächeln aufsetzt und einigermaßen überzeugend „Andere Mütter haben auch schöne Söhne“ murmelt.
Was sollte ich schon darauf antworten? Klar haben andere Mütter auch schöne Söhne. Und natürlich bin ich nicht mehr so traurig über das Ende meiner Beziehung wie am Tag danach. Und dennoch wäre es total gelogen, von mir zu behaupten, ich sei darüber hinweg. Das würde zum einen bedeuten, dass eine Beziehung eine lästige Grippe ist, die es zu überstehen gilt, um dann hinterher das Leben als gesunder Mensch zu genießen. Oder leichter gesagt: Warum sollte ich etwas überwinden wollen, das ich – trotz allem – als eine sehr schöne Zeit in Erinnerung behalten werde?
Klar, er hat Schluss gemacht. Und ja, diese Tatsache kotzt mich an. Aber was soll für mich daraus folgen? Soll ich ihn hassen? Mich hassen, weil es offensichtlich nicht so perfekt war, wie es hätte sein müssen? Mich gar für beziehungsunfähig erklären? Ich kann nicht mehr tun, als das Schöne im kopf zu behalten. Und das Schlechte vergessen.