Geschrieben von Alex in der Rubrik „Augenblick, Filme”
Die Bundesfamilienministerin hat mit der evangelischen und der katholischen Kirche ein Bündnis für Erziehung ins Leben gerufen. Und in Belgien dürfen jetzt homosexuelle Paare Kinder adoptieren. Dazu ein passendes Video.
Die Bundesfamilienministerin Ursula van der Leyen (CDU) hat gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland das “Bündnis für Erziehung” ins Leben gerufen. Die anderen religiösen Gemeinschaften in Deutschland spielten genauso wenig eine Rolle, wie Vertreter anderer gesellschaftlicher Gruppen.
Dazu erklärte Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD:
“Das Bündnis für Erziehung soll die Grundlagen für die Wertearbeit im Elternhaus und Kindergarten erarbeiten. Der wichtigste Grundwert in unserer pluralistischen Gesellschaft ist die Toleranz für Andersdenkende. Daran fehlt es gerade bei den großen christlichen Kirchen.”
Etwas diplomatischer formulierte es Nicolette Kressl, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion für die Bereiche Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bildung und Forschung im Interview mit dem Deutschlandfunk: “Den Fokus auf Werte wie Respekt, Achtung der Menschenwürde und Vertrauen halte ich für ganz wichtig. Aber Ziel des Bündnisses muss es natürlich sein, Eltern in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen und das in alle gesellschaftlichen Gruppen zu tragen. Dabei muss schon deutlich werden, dass diese Werte eben nicht nur von den christlichen Kirchen getragen werden. Deshalb muss das Kind “Bündnis für Erziehung” auf wesentlich breitere Beine gestellt werden.”
In Belgien dürfen übrigens homosexuelle Paare Kinder adoptieren und sie somit offiziell auch als Familie erziehen. Nach dem Abgeordnetenhaus stimmte am 20. April auch der Senat in Brüssel einem entsprechenden Gesetzentwurf zu. Die Entscheidung erging mit einer knappen Mehrheit von 34 Ja- gegenüber 33 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen. Das Gesetz kann damit voraussichtlich gegen Jahresende in Kraft treten.
Die belgischen Bischöfe sprachen sich gegen das Gesetz aus, aber räumten ein, dass sie nicht an der Aufrichtigkeit des Wunsches homosexueller Paare nach der Adoption von Kindern zweifeln. Sie wollten sich auch nicht in die Frage einmischen, ob Kindern psychologischer Schaden drohe, wenn sie in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwüchsen.
Passend dazu eine Werbung von der International Lesbian and Gay Association (ILGA) für das Recht auf Adoption für homosexuelle Paare.
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bisherige Kommentare:
stefan schrieb am Montag, dem 24. 4. 2006:
Tja, da haben wir mal wieder einen weiteren Grund, warum ich die evangelische und katholische Kirche als Institution ablehne. Mich regt das furchtbar auf, dass diese ständig der Meinung sind, in allen möglichen und unmöglichen Fragen mitreden zu dürfen, während andere Gruppen ausgeschlossen sind. Ein Miteinander stelle ich mir anders vor. Und ich hoffe, dass ich den Tag noch erlebe, wo endlich eine vollständige Trennung von Kirche und Staat in Deutschland stattfindet.
valmont1980 schrieb am Montag, dem 24. 4. 2006:
Ich als bisexueller norddeutscher evangelischer Christ der Landeskirche Hannover, fühle mich eigentlich immer von meiner Kirche unterstützt, ich arbeite seit 12 Jahren ehrenamtlich in Kindergruppen und Zeltlagern der Kirche und auch meine jetzige gezeigte Beziehung zu meinem Freund ist nicht weniger respektiert als zu meiner Ex-als sie noch der Mensch an meiner Seite war. Ich verbreite auch christliche Werte in dieser Arbeit, aber da nicht immer alle Teilnehmer wirklich Christen sind (sondern auch Moslems und Atheisten), vermitteln wir auf Andachten und Gottesdiensten Werte die Für alle gültig sein sollten- um die Themen Freunde-Liebe Toleranz Z.B.- dieses half mir als Teen sehr mich zu respektieren, und erleichterte auch anderen Menschen z.B. das Coming-Out. Ich kenne meine Landesbischöfin M.Kässmann nicht sehr, und ich weiß nicht wie gut sie und Frau v.d. Leyen sich untereinander ein Bild gemacht haben von ihren Überzeugeungen (CDU verwechselt ja oft Christliche Werte mit Engstirnigkeit und nicht mit “Liebe deinen Nächsten…”), aber ich “glaube”, dass Kässmann dicht an ihren Gemeinden steht, und merkt, dass noch viele Plätze in dem Projekt frei sind nicht,nur für andere Religionen, sonden auch für Vertreter aus Erziehung, Philosophie, Eltern und vielleicht auch Homo/Bisexuelle…
…denn den “Glauben” teilt sie ja mit mir.
Rudolf Ladwig schrieb am Montag, dem 24. 4. 2006:
Eine Petition gegen die religiöse Fundierung von Bildung und Erziehung:
http://www.leitkultur-humanismus.de/petitionerz.htm
„Von der Leyens gedankliche Entgleisungen…“:
http://www.leitkultur-humanismus.de/entgleisungen.htm
Carolinada schrieb am Sonntag, dem 9. 7. 2006:
Ok, so neu ist die Idee des Videos nicht, aber gefallen tut’s mir trotzdem. *lach*