Geschrieben von Henning in der Rubrik „Wunder Bar”
Dalton Russel (Clive Owen) plant den perfekten Bankraub. âWarum? Weil ich es kann.â Mit seinen Komplizen bricht er in die Filiale einer New Yorker Bank ein und nimmt zahlreiche Geiseln. Doch was will er wirklich? Auch als Detective Keith Frasier (Denzel Washington) mit einem GroĂaufgebot an Polizisten auffĂ€hrt, bleiben die Diebe ruhig. Frasier steht vor seinem schwierigsten Fall. Als die geheimnisvolle Madeline White (Jodie Foster) auftaucht, hat er noch mehr Grund der Situation zu misstrauen.
Offenbar hat Dalton Russel alles gut durchdacht. Er bricht schnell in die Bank ein, ĂŒbernimmt mit seinen Leuten das Kommando. Nachdem alle Geiseln in den Tresorraum gebracht wurden, mĂŒssen sich die Opfer schwarze MaleranzĂŒge ĂŒberziehen sowie Mundschutz und eine Schlafbrille tragen. Wer ist jetzt TĂ€ter, wer das Opfer? Jeder sieht gleich aus. Ein raffinierter Plan.
Nachdem Detective Frasier mit seinem Partner Bill Mitchell (Chiwetel Ejiofor) vor der Bank aufkreuzt geht es mit Captain John Darius (Willem Dafoe) darum, die Lage schnell einzuschĂ€tzen. Frasier macht gleich klar, wer am Tatort das Sagen hat: âOhne mich, bekommen die Leute da drin nicht mal einen Kaffee!â Doch auch nach Stunden regt sich nichts. Was wollen die BankrĂ€uber? Wer steckt hinter der Aktion? Und wieso sprechen sie stĂ€ndig albanisch miteinander?
SchlieĂlich stellt Russel doch eine Forderung: Eine Boeing 747, die sie alle auĂer Landes bringen soll. Frasier weiĂ, dass dies völlig utopisch ist. âIch habe noch keinen Gangster gesehen, der einfach so mit einem Flugzeug davonfliegt.â Die BankrĂ€uber entpuppen sich als einfallsreiche und ruhige TĂ€ter, die wĂ€hrend der ganzen Zeit die Kontrolle ĂŒber die Situation behalten. Russel agiert, Frasier reagiert. Die New Yorker Cops sind immer einen Schritt zu hinterher.
Es geht um mehr als das Ăberleben der Geiseln
Plötzlich betritt Madline White die BildflĂ€che. Sie verlangt ein privates Treffen mit Russel. Der BĂŒrgermeister segnet es ab und Frasier bleibt keine andere Wahl, als die geheimnisvolle Strippenzieherin in die Bank zu lassen. Auch Bankinhaber Arthur Case (Christopher Plummer) ist von Minute zu Minute daran interessiert ĂŒber die VorgĂ€nge in der Bank informiert zu werden. Doch ihm geht es offenbar um mehr, als um das Ăberleben der Geiseln.
âInside Manâ ist ein spannender und intelligenter Thriller. Mit einer tollen Optik, einem Soundtrack, der an vergangene Krimiserien erinnert und einer ĂŒberraschenden Geschichte, gelingt Regisseur Spike Lee (âMalcom Xâ, â25 Stundenâ) ein wirklich sehenswerter Streifen. Das Duell zwischen Denzel Washington und Clive Owen ist bis zum Schluss höchst spannend. Jodie Foster gibt in ihrer Nebenrolle eine gute Figur ab. Hier kann sie wieder die eiserne Leinwand-Lady mimen.
Der Film erzĂ€hlt aber nicht nur von einem spektakulĂ€ren Bankraub. Er wirft auch die Frage von moralischer Schuld auf, die Menschen auf sich genommen haben. Er hinterfragt ein System, in dem sich jeder selbst der NĂ€chste ist. In dem Geld, alles regelt. In dem der Respekt finanziellen Interessen weichen muss. Die ĂuĂerung von Detective Frasier wirkt in diesem Kontext dann eher wie ein Hilfeschrei denn eine Tatsache: âRespekt ist die wertvollste WĂ€hrung.â
OT: Inside Man, USA 2006, Regie: Spike Lee, Darsteller: Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Willem Dafoe, Christpoher Plummer, LĂ€nge: 129 Min, FSK: ab 12 Jahren, Kinostart: 23.03.2006
Weitere Infos zum Film findest Du auf der offiziellen Webseite.
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Ein Kommentar:
stefan schrieb am Samstag, dem 8. 4. 2006:
So, heute Abend habe ich mir Inside Man angeschaut. Bis auf eine kleine LĂ€nge im Mittelteil - aber welcher Film hat nicht irgendwo eine LĂ€nge? - fand ich den Film rundum gelungen. Er war nicht blöde nach dem Schema 08/15 gemacht, sondern hatte einige Stellen, die ich so nicht erwartet habe. Und vor allen Dingen war das ein Film, zu dem ich nicht einfach nur am Ende sagen konnte, ob ich ihn gut oder schlecht fand. Ich habe mit den Anderen, mit denen ich im Kino war, den ganzen Weg bis nach Hause ĂŒber den Inhalt diskutiert. Und das allein heiĂt schon, dass der Film mehr ist, als Standardware.